Was Ich Glaube
<p>Was ich glaube
Joseph Weizenbaum
Prof. of Computer Science
Massachusetts Institute of Technology
(1963 – 1985)
September 12, 2007
1)           „Wer nur ein Hammer hat sieht die ganze Welt als ein
Nagel“.   (Abraham Kaplan)
2)           Die Naturwissenschaft ist nicht die einzige, nicht mal
die reichste oder die wichtigste, Quelle der Wahrheit.
3)           Das Fundament der Naturwissenschaft ist Glauben, nämlich
der Glaube dass die Naturgesetze, nicht nur die die wir heute kennen,
im totalen Raum und in der ewigen Vergangenheit und Zukunft
herrschen.  Kein Experiment kann diesen doch fundamentaler Glaube
weder verifizieren noch falsifizieren.
4)           Nicht alle Aspekte der Realität sind berechenbar.
5)           Die Aufgabe der Wissenschaft ist der Natur Fragen zu
stellen.  Es gibt unendlich viele Fragen die gestellt werden
könnten.  Von dem müssen Wissenschaftler die wenige wählen die sie
tatsächlich bearbeiten könnten und möchten.  Diese Wahl ist von den
Zeitgeist der Kultur in der sie getroffen wird stark geprägt, fast
determiniert.  Es folgt, dass die Naturwissenschaft, sowie die von
ihr abgeleiteten Technologien und Instrumentarien, nicht wertfrei
sind.  Sie erben ihre Werte von den Werten der Gesellschaften in der
sie eingebettet sind.  In einer hoch militarisierten Gesellschaft
sind Wissenschaft und Technologie bei den Werten des Militärs
geprägt, in einer Gesellschaft dessen Werten hauptsächlich von
Streben nach Reichtum und Macht abgeleitet sind, sind sie
entsprechend gestaltet.  Die Werte der Wissenschaft eingebettet in
einer vernünftigen Gesellschaft würden vernünftig, d.h. human sein.
Die von ihr abgeleitete Technologie würde Leben statt Tod dienen.
6)           Totale, komplette und völlige Kenntnisse der
physikalischen, genetischen, neurologischen Strukturen sowie alle
Teile und Eigenschaften und ihre Zusammenhänge eines Lebewesens,
genügen nicht um das Lebewesen zu verstehen.  Wer, zum Beispiel, alle
diese Kenntnisse über ein Ameise hat, aber nicht weiß und zu tiefst
begreift, dass die Ameise in einer riesigen Gesellschaft von Ameisen
lebt, versteht die Ameise nicht.  Dasselbe gilt für das verstehen des
Menschen. Es ist in Prinzip unmöglich den Mensch rein
wissenschaftlich zu begreifen.
7)           Kein Mensch ist eine Insel (John Donne), seine Haut ist
nicht seine Grenze.  Der Mensch ist ein Element unteilbar von seiner
Mitmenschen, in der Tat, von der gesamten Menschheit und ihre
Geschichte.  Nicht mal sein Tot trennt ihm vom Universum
8)           Würde die weltweite Gesellschaft bloß vernünftig sein,
könnte das schon erreichte Wissen der Menschheit ein Paradies aus
dieser Erde machen.  Dass sie in der Tat kein Paradies ist, ist eben
nicht weil wir nicht genug wissen
9)           „Wissen ist besser als Ignoranz“  (Herbert Simon) – Ja,
aber nicht zu jedem Preis oder in jedem Kontext.
10)        Metapher und Analogien, indem sie disparate Kontexte
zusammenfügen, bringen neue Einsichten hervor.  Fast alles unseres
Wissens, einschließlich das wissenschaftliche, ist metaphorisch.
Deswegen auch nicht absolut.
11)        Information ist weder Material noch Energy.  Es ist immer
eine äußerst private Leistung, nämlich der Interpretation von
Signalen dessen Ergebnis Wissen ist.  Information hat, wie, zum
Beispiel,  die Aufführung eines Tanzes, keine Permanenz.   Das Maß
der Wahrheit des produzierten Wissens hängt von der Qualität der
angewandten Interpretation ab.  Kritisches Denken fördert Qualität.
12)        Die höchste Priorität der Schule ist den Schülern ihre
eigene Sprache bei zu bringen so dass sie sich klar und deutlich
artikulieren können, mündlich und schriftlich und auch in ihrer
stillen Gedankenwelt.  Wenn sie das können, dann können sie auch
kritisch denken und die Signale mit den ihre Welt sie überflutet
kritisch interpretieren.  Wenn nicht, dann werden sie ihr ganzes
Leben Opfer von den Klischees und Schablonen die die Massenmedien
ausschütten.
13)        Es ist nicht möglich eine feste Grenze, weder zwischen Gut
und Böse noch zwischen Tag und Nacht, zu zeichnen.  Aber der
Unterschied zwischen Mittag und Mitternacht ist deutlich. Der Mensch
kann wissen ob sein Tun und Handeln eher im Rahmen des Tageslichts
oder der Nacht ist und sich entsprechen verhalten.  Doch sicher ist,
dass Krieg, Armut und Hunger ein drittel der Menschheit, die massiv
ungleiche Verteilung der Ressourcen der Natur, alle diese Mitternacht
sind.  Hass ist Mitternacht. Liebe ist Mittag.
14)        Der Glaube, dass man in der Mitte des Bösen es dort besser
als von draußen ändern kann, ist irre und selbstvernichtend.
15)        Die Erfindung der Atombombe leitete eine Diskontinuität in
der Geschichte der Menschheit ein.  Davor war die totale Auslöschung
der Bevölkerung der Erde unmöglich.  Heute ist es möglich.  Deswegen
ist es illegitim Handlungen zu verteidigen weil sie waren „doch
immer“ effektiv, zum Beispiel, dass es doch immer Armut, Kriege,
Meister und Sklaven gab.
16)          „Alles ist sagbar in Worten, nur nicht die lebende
Wahrheit“. (Ionescu)
17)        Gott gibt es denn Gott ist Liebe und Liebe ist in uns
alle.  Das Gebet ist die Suche eines Menschen seine innere Liebe zu
finden und, sei es um inner Frieden und Ruhe zu erreichen, eine Not
ertragen zu können, sich zu trösten oder ein Weg einen anderen zu
helfen zu finden, was auch immer.</p>