Die Farben
Spielzeug lebt von Form, Funktion und Farbe. Das Färben war immer die heikelste Phase der Herstellung und die Rezepte waren lange Zeit ein streng gehütetes Geheimnis. Ursprünglich verkauften die Grödner Verleger sogenannte rohe, also unbemalte, Ware nach Oberammergau, wo sie bemalt und weiterverkauft wurde. Schließlich entdeckten auch die Grödner das Geheimnis. Die ersten Farben wurden auf Leimbasis angerührt. Die Deckkraft war bescheiden und man musste mehrere Schichten auftragen. Eine große Revolution waren die Farben auf Nitrobasis. Sie leuchteten und trockneten schnell. Allerdings waren die Dämpfe nicht gerade gesund und ich erinnere mich, wie mir als Kind nach wenigen Minuten in der "Malerei" richtig schwindlig wurde. Zudem waren sie leicht entflammbar und man musste stets einen Feuerlöscher parat haben.
Dann kamen die Kunstharzlacke. Sie waren zwar ungiftig und entzündeten sich nur schwer, aber sie wollten einfach nicht so schön leuchten, wie die Nitrolacke und die Malerinnen beklagten sich, dass sie viel zu zäh vom Pinsel flossen.
So widmete mein Vater viele Tage und Nächte der Suche nach neuen Methoden um die Sevi Spielsachen zum leuchten zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um ein Holzteil zu färben.
Einfache und kleinere Teile kann man Trommeln. Man schüttet sie in eine grosse Trommel, die sich um die Längsachse dreht und gibt nach und nach in kleinen Mengen die Farbe dazu. Die richtige Größe und Drehgeschwindigkeit der Trommel, die richtige Konsistenz und Menge an Lackfarbe, die optimale Dauer des Malvorgangs mussten in langwierigen versuchen ermittelt werden.
Eine andere Methode ist das Spritzen, wie man es in der Karosseriewerkstätte sieht. Sie eignet sich allerdings nicht für die industrielle Fertigung von kleineren Teilen.
Das Tauchen war die am meisten verbreitete Methode. Die Teile wurden auf ein Brett, das wie ein Fakir-Bett mit Nägeln bestückt war, aufgespiesst. Das Ganze wurde in eine Wanne getaucht und sehr langsam wieder herausgezogen sodass die überschüssige Farbe abrinnen konnte. Das ergab eine wunderbare hochglänzende Oberfläche. Allerdings war der Vorgang eher zeitaufwendig und die Farbschicht war meist dicker als nötig, was einen hohen Verbrauch der teuren Lacke zur Folge hatte.
Deshalb erfand mein Vater das "Schleudern".
Die Teile wurden auf einzelne "Spießer" aufgeschraubt, diese waren hintereinander auf einer langen Kette montiert, die sie in eine Farbwanne eintauchte. In dieser Wanne setzte ein Motor ein Gummirad in Bewegung welches den Spießer in Rotation versetze und so die überschüssige Farbe abschleuderte.
Diese Maschine, für die er schließlich ein Patent erhielt, war wohl Vatis technisches Meisterwerk und begründete eine der Alleinstellungsmerkmale der Sevi Kollektion, nämlich ihre Farbenpracht.