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Taiwan

Einer unserer größten europäischen Kunden war in den siebziger Jahren die Großhandelsfirma Hoffmann in Hamburg. Jedes Frühjahr ließ Otto Prucker eine eigene Kollektion an Oster- und Weihnachtsminiaturen zusammenstellen. Dann kam Herr Hoffmann nach Gröden und es wurde hart um jeden Pfennig gefeilscht. Es folgten mehrere Wochen bangen Wartens bis schließlich der Auftrag kam.

Eines Tages, es war wohl um das Jahr 1980, kam statt des Auftrags die Nachricht: Die Preise sind viel zu hoch, ich kann die Ware aus Taiwan zu einem Viertel ihrer Preise beziehen. Das war ein harter Schlag und machte uns große Sorgen. Die Miniaturen waren immer noch ein wichtiger Teil unseres Umsatzes, wenn sie ganz wegbrechen würden, wären viele Heimarbeiter*innen arbeitslos.

Also beschlossen meine Frau und ich, an unsere Hochzeitsreise eine Geschäftsreise in den fernen Osten anzuhängen.

Wie wir in unserem Hotel in Taipeh ankamen wurden wir überaus freundlich empfangen und man gab uns eine Liste von Geschäftsleuten, die uns ihren Showroom zeigen wollten. Ich werde nie vergessen, wie wir das Büro von Robert Chen betraten. "Herr Sevi" sagte er "welche Ehre, dass Sie mir einen Besuch abstatten. Sie sind mein großes Vorbild, ich habe alles versucht, um an ihre Qualität heran zu kommen. Bitte schauen Sie sich unsere Muster an und sagen Sie mir, wie wir sie verbessern können." Wir waren sprachlos. Im Showroom fanden wir Kopien der gesamten Sevi Kollektion und mehrerer anderer Hersteller. Die meisten waren sehr gut verarbeitet.

Mr. Chen führte uns dann auch in das Dorf, wo all diese Produkte hergestellt wurden. Es war faszinierend, entlang der Straße waren dutzende kleiner Hütten in denen ganze Familien drechselten, montierten und bemalten. So ähnlich muss es früher in den Grödner Stuben zugegangen sein.

Da wussten wir, daß das Ende der Grödner Heimindustrie besiegelt war. Und die Lösung bestand wohl darin, selbst im fernen Osten produzieren zu lassen.