Attributionsfehler
<p>In ihrem Buch Induction: <strong>Processes of Inference, Learning, and Discovery haben John H. Holland et al.</strong> einige interessante Untersuchungen zu diesem Thema zusammengetragen. Einer der dort zitierten Artikel erschien bereits Anfang der siebziger Jahre, ist also alles andere als neu. Es geht hier um altbekannte, immer wieder bestätigte Erkenntnisse darüber, wie Menschen handeln und was sie antreibt. In der erwähnten Studie stellten die Forscher einer Gruppe männlicher Collegestudenten die folgenden Fragen: »Aus welchen Gründen haben Sie Ihr Hauptfach gewählt?« Und: »Was hat Sie dazu bewogen, Ihre derzeitige Partnerin auszuwählen?« Anschließend wurden die Studenten gebeten, die gleichen Fragen über ihren besten Freund zu beantworten. Dabei zeigten sich bedeutende Unterschiede. Ging es um sie selbst, rückten sie ihre Persönlichkeit in den Hintergrund und beantworteten die Fragen rein sachbezogen. So hieß es etwa »Als Chemiker verdient man gut« oder »Sie ist ein sehr warmherziger Mensch«. War jedoch von den Freunden die Rede, so spielten deren Fähigkeiten und Bedürfnisse eine große Rolle: »Mathematik war schon immer sein stärkstes Fach« hieß es da, oder »Er ist ein wenig unselbstständig und braucht eine Frau, die ihn führen kann:"</p>
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<p>Von außen betrachtet mögen solche Aussagen witzig erscheinen, so offensichtlich ist es, dass sie auf falschen Beurteilungen beruhen. Doch bevor Sie allzu laut auflachen, sollten Sie sich eingestehen, dass auch Sie immer wieder dieser Versuchung erliegen. Jeder Mensch ist dafür anfällig. Wir alle sind der festen Überzeugung, nur auf Situationen zu reagieren, während die anderen von ihrem Charakter geleitet werden. Ein amüsanter Nebeneffekt dessen ist die Tatsache, dass wir auf die Bitte hin, unsere Persönlichkeitsmerkmale und jene unserer Freunde zu beschreiben, uns regelmäßig als viel langweiliger beschreiben. So geben wir an, weit weniger Charaktermerkmale als unsere Freunde zu besitzen.</p>
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<p>Holland et al. ziehen eine interessante Parallele zwischen unserer Fehleinschätzung sozialer Motivationen und dem Naturbegriff von Nichtwissenschaftlern beziehungsweise Menschen, welche nur ein intuitives Verständnis von Physik haben.</p>
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