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B Forschung

Freuds Erkenntnis, dass Erfahrungen oder Wünsche, die Menschen für völlig inakzeptabel halten, einem sich entziehenden Prozess der Verdrängung unterliegen können (was wohl, nach heutigem Verständnis des Gehirns, ein Spezialfall von Emotions-Regulation und Prioritäts-Verlagerungen zu sein scheint), war von fundamentaler Bedeutung; nicht nur für die Behandlung histrionischer Störungen. Sie machte auch deutlich, dass eine Impuls- und Motivationsstruktur entstehen kann, die sich gleichsam verselbständigt und das "Vernünftige" unterläuft, respektive zu einem "Querschläger" für dieses werden kann.

Die weitere "Evolution" dieses Gedankenguts ist bekannt - sie führte zu einer inflationär gebrauchten Idee des Unbewussten.

Spätestens mit dem poststrukturellen und postmodernen Diskurs, wie ihn etwa Jacques Derrida vorantrieb (und der heute das stille "BIOS" der westlichen Geisteswissenschaften bildet), ist dieses "Unbewusste" zur Hülse geworden, die für all das herangezogen wird, für das sich in der Auseinandersetzung mit geistigen Prozessen nicht rasch eine logisch-strukturelle Erklärung finden lässt.

Was nicht nur nicht im Sinne der frühen Psychoanalyse ist: Es führt auch zu einem Angriff auf Vernunft und logischem Denken, das dann als rein westlicher Diskurs (und damit als relative Größe) sowie als naiv und blind für die eigentliche Antriebskraft des Menschen (eben für ein - nur diffus bestimmtes - Unbewusstes) ist.

Dass dieser Angriff dabei argumentativ-logisch und mit den Kategorien von Widerspruch, Ausschluss oder Ordnung (also mit Kernbegriffen von dem, was eigentlich bekämpft werden soll) geführt wird und insofern in seiner Grundtendenz absurd ist, stört dabei offensichtlich wenig.

Die "Forschung", die in diesem Zweig des vorliegenden Text-Netzes präsentiert wird, bezieht explizit eine Gegenposition; nicht nur, um die Grundidee von Psychoanalyse und Psychotherapie vor ihrer völligen Trivialisierung zu retten:

Die alte platonische Grundidee, das nur die "kosmologische Durchgängigkeit" eines Strukturphänomens (das gerne als "Vernunft" bezeichnet wird) erklären kann, weshalb der Mensch über einen (vernünftigen) Geist verfügt, der offensichtlich Welt darstellen kann, ist nach wie vor bedenkenswert. Speziell nach der bravourösen Reformulierung dieser Idee durch Charles Sanders Peirce, der mit seiner Semiotik oder "Zeichenlehre" ein System präsentierte, in dem die Welt als Entfaltung einer spezifischen dreigliedrigen Zeichen-Struktur gezeigt wird, die von Elementarteilchen bis zur menschlichen Sprache reicht (und die in Karl Poppers "Drei-Welten-Lehre" eine interessante "Fort-Schrift" erfahren hat).

Dieser Grundidee folgend geht es in diesem "Forschungs-Textnetzwerk" deshalb letztlich - bei allen "Side-Steps" in Richtung Biologie oder Gehinrforschung - um Grammatik, bzw. um Vorstufen dazu (wie sie sich in Schemata zeigen) oder um Spezialfälle davon, wie sie argumentative logische Schlüsse darstellen. Wie auch um "DIA/GRAMMATIK", also um die Erarbeitung diagrammatischer Darstellungen, in das sich so genanntes "psychisches Leben" übertragen lässt.

Denn auch das, was als "Psyche" bezeichnet wird, wäre dann ein semiotisches Moment, das dementsprechend grammatikalische oder zumindest proto-grammatikalische Strukturen aufweist - die es freizulegen, zu verstehen und handzuhaben gilt.

Diese Wiedergewinnung einer "Ersten Philosophie" im Sinne von Aristoteles oder Edmund Husserl für die Welt der Psyche und Psychotherapie ist dabei nicht nur eine theoretische Spielerei, die gegen den Psychologismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts das Wort ergreifen will, der mit der Postmoderne seinen späten (wie bedenklichen) Siegeszug angetreten hat:

Sie will auch all jenen helfen und zur Seite stehen, denen buchstäblich - mit den Argumenten, die ein Konzept eines allmächtigen Unbewussten liefert - jede Vernunft und damit Selbst-Interpretation und -Regulation abgesprochen wird. Nämlich den (forensischen) TäterInnen dieser Welt, deren Entwicklungsfähigkeit - auch von einer naiven empirischen Psychologie, die ohne eine Theorie des Geistes und seiner Kultivierung stur die Mächtigkeit von Befindlichkeiten und Impulsen abfragt - zunehmend in Frage gestellt wird. Was wohl nur der Beginn einer höchst problematischen gesellschaftlichen Tendenz ist - die ein im Kern absurder Postmodernismus mit herauf beschworen hat.

Dass die hier veröffentlichten Texte und "Diskurs-Bausteine" nicht immer breit auf Quellen verweisen und exakt Bezugs-Seiten angeben, ist dem Luxus geschuldet, dass sich diese "Forschungs-Arbeit" jenseits der gängigen Paper-Kultur des Wissenschaftsbetriebes abspielt, ohnehin nicht zitiert oder abschreibt - sondern gezielt und explizit am Leben zu erhalten versucht, was man einstmals selbständiges und freies (wissenschaftliches) Denken nannte.

Oder eben einfach - (erste) Philosophie.