Es brennt
Ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der Sevi war der Großbrand am 10. Oktober 1974. Ich studierte damals in Mailand, aber die Vorlesungen hatten noch nicht begonnen und ich war im Büro zu Vastlè um bei der Umstellung der Bucchaltung auf das neue Steuergesetz zu helfen. Plötzlich hörten wir die Sirene und es schrillte auch schon das Telefon: "In Pontives brennt die Fabrik!" es war ein unfassbarer Anblick. Schon in Runggaditsch sah man den hellroten Schein am Himmel. Die Feuerwehren hatten die Straße abgesperrt und so musste ich tatenlos aus der Ferne zusehen, wie die Flammen in den Himmel schlugen. Würde das Dach standhalten? Was würde noch übrig bleiben? Es war kurz vor der Weihnachtssaison und ein guter Teil der Bestellungen musste noch ausgeliefert werden. Als wir am nächsten Tag die Halle betreten konnten, waren wir doch erleichtert, dass sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt hatten. Die Maschinenhalle war verschont geblieben. Das Feuer war im Bereich der Maltrommeln vermutlich durch Selbstentzündung ausgebrochen und hatte das Lager verwüstet.
Mein Vater hat zwar die Fassung behalten, aber es war ein schlimmer Schlag. Er fragte mich, ob ich weitermachen oder die Firma verkaufen wolle. Keine leichte Frage für einen unerfahrenen Studenten, aber im Grunde gab es für mich keinen Zweifel, es war schlicht und einfach meine Aufgabe, die Firmentradition weiterzuführen.
Landeshauptmann Magnago kam zu Besuch, sicherte Unterstützung zu und machte uns Mut. Ich war von seinem aufrichtigem Interesse sehr beeindruckt.
Die Firma war noch hoch verschuldet und die Zukunft hing im wesentlichen davon ab, welchen Schadensersatz die Versicherung zahlen würde. Als ich bei den Verhandlungen mit der Versicherung die Fassung verlor und den Direktor beschimpfte, dass er die rechtmäßige Summe nicht zahlen wolle und durch dieses unmenschliche Verhalten die Arbeitsplätze von über hundert Arbeitern zerstöre, sagte er: "Ich verstehe Sie gut, mein Bruder ist Giorgio Gaber, ich habe ihm das Gitarre spielen gelernt und in vielen Dingen denke ich so wie er. Aber ich muss auch die Interessen der Gesellschaft vertreten. Wir werden die Angelegenheit noch einmal prüfen." Die Prüfung fiel für uns günstig aus und wir konnten den Schaden beheben und weitermachen.