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Arbeit

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<p>Läßt sich in selbstbestimmte und fremdbestimmte Arbeit unterscheiden. Die Gesellschaft benötigt im wesentlichen Menschen, die mit ihrer Arbeitsleistung dazu beitragen, primäre Bedürfnisse, (Wohnung, Nahrung, Kleidung, Mobilität, Müllentsorgung, etc.) zu befriedigen. Dabei ist klar, daß Tätigkeiten im Bereich der Primärversorgung nur wenig Platz für Eigenkreativität lassen. So erwartet man von der Müllabfuhr in erster Linie die rasche und möglichst unauffällige Beseitigung des Abfalls und vom Bäcker, daß er um 4.00 Uhr morgens aufsteht, damit um 6.00 Uhr die Brötchen in den Regalen liegen. Weniger gewünscht sind individuelle Abweichungspersönlichkeiten, die Kraft ihres phantasievollen Potentials den Bürger mit "Gedichten von der Müllhalde" oder vergoldeten Brotlaibern überraschen. In diesem Sinne ist die Tätigkeit von ca. 90 % der arbeitenden Bevölkerung als fremdbestimmt einzustufen; die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird (Zeit und Ort), sind im wesentlichen von außen vorgegeben. Individuelle Motive und Empfindungen müssen zurückgestellt werden, so daß die Arbeitskraft unabhängig von momentan empfundenen Gefühlen und Bedürfnisstrukturen zur Verfügung steht. Die Arbeitskraft wird quasi von ihrer psychischen und personalen Umwelt isoliert und als Ware angeboten.

Was aber tun, wenn man nicht in der Lage ist, diesen Isolationsvorgang zu betreiben? Man wird Künstler. Künstler ist typischerweise derjenige, dem es gelingt, sich seine Aufgaben selbst zu stellen und das Ergebnis seiner Bemühungen der Gesellschaft als Gebrauchsgut zur Verfügung zu stellen. Die Unterscheidung richtet sich also nicht nach der Frage, was jemand tut, ob er malt oder Kuchen backt, sondern wie er etwas tut. Die Frage nach dem Künstler ist die Frage nach der Legitimation; legitimiere ich mich in meinen Handlungen durch die Vorgaben anderer oder entwickle ich die Vorgaben selbst? Dementsprechend gibt es Künstler in allen gesellschaftlichen Handlungsbereichen.

Ob die Gesellschaft auf dieses Gut zugreift, ist eine andere Frage. Brock selbst erklärt in einer affirmativen Selbstdarstellung 1968, daß er keine Arbeit ausführen kann, die ihn länger als drei Tage hintereinander in Anspruch nimmt: "Die Unterwerfung unter den notwendigen Anspruch des notwendigen Falschen gelingt nur zeitweise."<sup>1</sup>. Deshalb gilt es für den Künstler, sich seine Aufgaben selbst zu stellen, seinen Arbeitsplatz quasi selbst zu schaffen.

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<b>Fussnoten</b>

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  1. Bazon Brock: Ästhetik als Vermittlung, Köln 1977, S. 760</p>

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