Kompliziert Vs Komplex
<p>1. Kompliziert - Komplex</p><p>ieser Hintergrundsnack soll Ihnen eine Unterscheidung deutlich machen, die für Future Leadership eine zentrale Rolle spielt. Der Unterscheid zwischen kompliziert und komplex.</p><p></p><p>Komplex oder kompliziert - ist das nicht das Gleiche?</p><p></p><p>Vermutlich kennen Sie beide Begriffe. Achten sie mal drauf, wie häufig in internen Memos, Präsentationen, Fach- und Zeitungsartikeln oder Büchern das Wert »komplex« verwendet wird. Und was genau ist das nun: Komplexität?</p><p></p><p>Meist wird komplex synonym mit kompliziert verwendet. Komplexes scheint etwas Unüberschaubares zu sein, etwas, was keiner so recht versteht. Sehr vielfältig und facettenreich. Und fast immer schwingt mit dem Wort etwas Negatives mit. Komplexes scheint teuer zu sein, unbeherrschbar und deshalb müsse man es reduzieren, am besten eliminieren. In jedem Fall aber managen, kontrollieren und steuern.</p><p></p><p>Diese recht populärwissenschaftliche Beschreibung wird der Sache aber in keinster Weise gerecht und dient uns überhaupt nicht, wenn wir Probleme in heutigen Organisationen lösen oder die Leistung steigern wollen. Für wirksame Zusammenarbeit müssen wir den Unterschied kennen und verstehen.</p><p></p><p>Kurz gesagt steht kompliziert für Bereiche, die man sich mit Wissen erschließen kann. Schaltpläne, klar zu definierende Prozesse. </p><p></p><p>Kompliziert</p><p></p><p>Kompliziert ist beispielsweise eine Uhr. Sie besteht aus vielen Einzelteilen (bei einer hochwertigen Uhr können dies 1.500 Einzelteile oder gar mehr sein). Jedes Einzelteil hat seine Funktion und alle Einzelteile sind miteinander verbunden. Es gibt unzählige Ursachen und für jede Ursache die immer gleiche Wirkung, solange die Uhr nicht kaputt ist.</p><p></p><p>Wer als Laie eine solche Uhr erklären, geschweige denn reparieren möchte, ist völlig aufgeschmissen. Aber ein Uhrmacher kann dies. Er hat das nötige Wissen. Und so ist es ganz allgemein: Kompliziertes ist mit ausreichendem Wissen darüber beherrschbar. Mit dem richtigen Wissen ist das Verhalten vorhersehbar.</p><p></p><p>Sie merken: Kompliziert ist ein relativer Begriff. Für den Laien ist eine Uhr mit 1.500 Teilen extrem kompliziert, für den versierten Uhrmacher dagegen einfach. Anders ausgedrückt: Kompliziertheit ist ein Maß für die Unwissenheit. Sie verschwindet durch Lernen.</p><p></p><p>Ein modernes Passagierflugzeug besteht aus grob geschätzt 1 Millionen Bauteilen (dabei haben wir das Triebwerk selbst nur mit „1“ gezählt). Trotz dieser immensen Größe und des Umfangs ist das Flugzeug selbst „nur“ kompliziert. Es ist nämlich grundsätzlich beherrschbar, sonst hätte es auch gar nicht gebaut werden können. Sicher hat nicht eine einzelne Person eines Flugzeugbauers das ausreichende Wissen über eine derartige Riesenmaschine - es braucht schon viele Menschen dazu. Dennoch sind alle Probleme des Flugzeugs selbst mit Wissen zu lösen.</p><p></p><p>Ganz anders sieht die Sache aus, wenn es nicht nur um das Flugzeug selbst, also um das Objekt geht, sondern um das Bauen desselben in einer Organisation wie Boeing oder Airbus. Hier wird es komplex.</p><p></p><p>Komplex</p><p></p><p>Komplexität ist das Maß für die Menge der Überraschungen, mit denen man rechnen muss. Komplexes – oder wie wir auch immer wieder sagen: komplexe Systeme – bestehen ganz allgemein aus lebendigen Organismen, für uns wichtig: aus Menschen.</p><p></p><p>Menschen entscheiden immer wieder selbst, welche Folgeoperation sie aus einem vorangegangenen Zustand wählen. Also insbesondere was sie sagen, wenn etwas anderes zuvor gesagt wurde oder was sie tun, wenn etwas anderes zuvor getan wurde. Genau diese Entscheidung über die Folgeoperation ist nicht vorhersehbar, sie könnte immer auch anders ausfallen. Und genau daher sind komplexe Systeme für sich und andere eine Kette von Überraschungen. Je größer die Vielfalt, aus der permanent ausgewählt werden muss, umso größer ist die Komplexität eines Systems.</p><p></p><p>Praktisch sinnvolle Beispiele für komplexe Systeme sind Spiele, besonders plastisch: das Fußballspiel. Aber auch die Börse oder eben ein Unternehmen im Wettbewerb. Genauso sind auch Abteilungen, Gruppen oder Teams komplexe Systeme. Selbst die kleinste denkbare Gruppe, bestehend aus zwei Personen ist voller Überraschungen, also komplex. Und fast jeder kennt komplexe Systeme aus Partnerschaft oder Familie auch im privaten Bereich.</p><p></p><p>Aus den oben genannten Punkten ergeben sich für die Zusammenarbeit ganz bedeutsame Erkenntnisse: Komplexe Systeme lassen sich zwar beobachten, aber nicht zielgerichtet steuern und auch nicht kontrollieren. Jede Handlung, jeder Satz, jede Geste kann und wird ein komplexes System beeinflussen, aber die Reaktion ist nicht vorhersehbar. Auch Nicht-Handeln kann Einfluss auf ein System haben. Das liegt daran, dass komplexe Systeme lebendig sind, sie agieren für sich, wir sagen dazu: sie sind operationell geschlossen. Daher sind Handlungen eines komplexen Systems auch nicht allein aus den Impulsen von außen zu erklären.</p><p></p><p>Komplexes und kompliziertes spielen zusammen</p><p>Nochmal: Komplexität ist das Maß für die Menge der Überraschungen, mit denen Sie rechnen müssen. Auch die komplizierteste Maschine oder das gewaltigste Computerprogramm ist in diesem Sinne nie komplex. Beide können nicht überraschen. Tote, also komplizierte Systeme können natürlich Erwartungen enttäuschen - sie können beispielsweise kaputt gehen oder nicht so funktionieren, wie man es sich gewünscht hat. Ein Mensch empfindet dies zunächst als Überraschung. Für jedes maschinelle „Verhalten“ gibt es aber einen Grund. Wird dieser gefunden, so verschwindet die Überraschung.</p><p></p><p>In der praktischen Realität spielen komplexes und kompliziertes immer zusammen, wir treffen immer auf beides. Man könnte sagen, komplexes und kompliziertes sind wie die zwei Teige eines Marmorkuchens, die ineinander gerührt sind.</p><p></p><p>Denken Sie beispielsweise an ein Billardspiel. Hier wechselt ständig die Dominanz zwischen dem komplexen Bewusstsein des Spielers und dem komplizierten System aus Kugeln und Tisch.</p><p></p><p>Vor dem Stoß liegen die Kugeln bewegungslos auf ihrem Platz. Es herrscht Ruhe. Der Spieler denkt nach. Er sucht nach einem für den Gegner überraschenden Stoß. Das Lebendige dominiert. Die Komplexität ist hoch.</p><p></p><p>Dann der Stoß, die Kugeln flitzen, sich gegenseitig stoßend, über die Fläche. Das Denken des Spielers ist jetzt unwichtig. Die Kugeln bewegen sich nach komplizierten physikalischen Gesetzen. Es passiert nichts Überraschendes mehr. Das Tote dominiert. Die Komplexität ist gering.</p><p></p><p>Warum ist das wichtig?</p><p>Eine der wesentlichen Fähigkeiten für agile Zusammenarbeit besteht darin, Komplexes von Kompliziertem unterscheiden zu können und die jeweiligen Teile in einer praktischen Situation zu erkennen. Denn Komplexes erfordert gänzlich andere Handlungsweisen als Kompliziertes. Diese aus bloßer Unachtsamkeit zu verwechseln kann bestenfalls nur teuer sein. In anderen Fällen kann es aber auch extrem gefährliche, destruktive Kettenreaktionen auslösen. Der Fehler, den Sie begehen, wenn Sie komplexe Situationen mit lediglich komplizierten Denk- und Handlungsmustern begegnen, nennen wir »Wrong Turn«.</p><p></p><p></p><p>Fragen zur Reflexion</p><p></p><p>Wo begegnen Sie in Ihrem Unternehmen Herausforderungen, die eher kompliziert sind?</p><p>Wo begegnen Sie Herausforderungen, die eher komplex sind?</p>