6 Eine Fall-Dynamik - dia/grammatisch aufgelöst
(Wenn Sie im Zweig-System die Maus auf das Bild-Ikon neben den Zahlen 1 - 9 bewegen und dort halten (und gegebenenfalls noch zweimal bewegen), geht die Vortrags-Illustration GANZ auf und ist parallel zum nachstehenden Kommentar sichtbar):
- Abbildung 6 zeigt nun, was die semiotische Re-Formulierung der Kleinianischen Psychoanalyse samt dem Diagramm, das sich aus dieser Re-Formulierung ergeben hat, zu leisten im Stande ist:
- Das Diagramm oder die "MAP" wird in diesem Fall dazu genutzt, um eine Schemata-Dynamik darzustellen, zu der ein Mord-Delikt gehört: Es geht um einen Mann, der im Rahmen einer psychotischen Entwicklung seine Mutter tötete. Dieser Entwicklung war eine Kindheit vorangegangen, in der der Mann durch die Geburt einer Schwester aus der Position des verwöhnten "Prinzen" gestoßen worden war und den - von diffusen, kindlichen Verlassenheits- und Depressionsgefühlen begleiteten - Verlust dieser Position durch ein sehr freies, ungebundenes " (manisches) Abenteuer-Leben" kompensierte.
- Dieses wurde in den jungen Erwachsenen-Jahren beibehalten (und in eine narzisstisch-manisch geprägte Lebensform gesteigert), in denen zugleich durch die Beziehung zu einer Frau auch die frühen symbiotischen "Erlebensformen" (die letztlich immer als der "purste" Ausdruck des projektiv-identifikatorischen Schemata-Bezugs zur Welt zu deuten sind) wieder einen mächtigen Platz im Leben bekamen.
- Als diese Beziehung zu zerbrechen begann und zugleich eine der Schwestern verstarb, begann sich diese Grunddynamik offensichtlich an fiktiven Objekten und Welten weiterzuentfalten. In dieses Gefüge wurde auch die Mutter, sie sich um den krisenhaften Sohn kümmerte, eingebaut. Was schließlich zu einem Tötungsdelikt führte - das an späterer Stelle noch genauer analysiert werden wird.
- Hier ist primär die (der freilich zu Illustrationszwecken vereinfachte) Grunddynamik interessant, die sich mit Hilfe der MAP diagrammatisch einfach darstellen lässt:
- Folgt man der in Zweig 5 skizzierten "Proto-Syntax", sollte zumindest ein Weg von den (roten) "Eltern-Schemata" oder "-Modi" über die (schwarzblauen) "Kind-Schemata" oder "Modi" zu den (rein schwarzen) "Bewältigungs-Modi" nach unten führen. Dieser Weg ist dabei das ("grammatikalische") Zusammenspiel jener "Proto-Zeichen" oder Elemente, die eben die Schemata-Dynamik des Mannes bildet oder ausmacht.
- An konkreten Elementen oder Schemata (die bisher nur grob als "Eltern-" oder etwa "Welt-Bezüge" klassifiziert worden waren, nun eine erste Verfeinerung als "Eltern-Modi", "Kind-Modi" und "Bewältigungs-Modi" erfahren haben - und jetzt einfach in der Praxis weiter aufgefächert werden) sind dabei...
- ...auf der "Ebene" der Eltern-Modi eine "Verwöhnende" sowie eine "IgnorantIn" im Spiel; also zwei "Proto-Zeichen", Elemente oder einfach Schemata, die der kindliche Bezug zur Mutter sind und diese auch darstellen. Wobei leicht einzusehen ist, warum die Mutter gerade mit diesen Schemata/"Proto-Zeichen" repräsentiert wird; eben weil sie eine verwöhnende Frau war, die sich dann zur ("verstoßenden") Ignorantin wandelte;
- ...auf der Ebene der "Kind-Modi"einerseits ein "symbiotisches Kind" und ein "Emotionen und Gedanken projizierendes Kind" auszumachen; also zwei Schemata, die letztlich vor allem den Index-artigen Bezug der "Proto-Zeichen" selbst (der sich generell oder im symbiotischen Verhältnis zu einer erwachsenen Bezugs-Person entfaltet) bilden und repräsentieren. Und die auch ein Effekt des "Verwöhnens" der Mutter sind; und zwar in dem Sinn, dass "Verwöhnen" und "erster Bezug" (der biologisch ein "proto-semiotischer" "identifizierender" sein muss) zusammengehören und gerade dann, wenn dieses "Verwöhnen" plötzlich "gebrochen" wird, die "Verwöhnende" erst recht als solche angezeigt und repräsentiert werden wird;
- ...andererseits wird zu den "Kind-Modi" auch ein "ignoriertes", ein "verlassenes" wie auch ein "depressives Kind" gehören, weil sich diese Bezüge und damit diese "Proto-Zeichen"/Schemata durch die Geburt der Schwester ergeben haben;
- ...und drittens müssen unter den "Kind-Modi" schließlich noch ein "gieriges", ein "überhebliches" und ein "großartiges Kind" verzeichnet werden; mithin drei Bezüge oder "Proto-Zeichen", die die "Schrift" jener kindlichen "Freiheit" und "Abenteuerlust", also jenes kindlichen Narzissmus sind, die den Mann in seiner Kindheit kennzeichneten.
- ...auf der Ebene der "Bewältigungs-Modi" sind am Ende ein "Rebell und Provokateur", ein "Aufmerksamkeits- und Bestätigungssüchtiger", ein "Vernichter" und vor allem ein "Maniker" zu finden: also Elemente, die einen erwachsenen Abwehr-Narzissmus "schreiben" und so einen "Abenteurer" fortführen, der mit den den "Proto-Zeichen" des "überheblichen Kindes" u.a. geschrieben wurde.
- Auch wenn hier vieles nicht weiter aufgeklärt wurde (beispielsweise, wo genau diese Zeichen oder Elemente - jenseits ihrer allgemeinen Genese innerhalb des entfaltenden Bezugs-Prozesses - herkommen; doch dazu wurde in "B1 Die MAP" und "B1.1 Appendizes" schon hinreichend viel gesagt), so wird doch eine syntaktische Formalisierung der Dynamik erreicht, die sich noch weiter "radikalisieren" lässt.
- Nämlich dann, wenn man die einzelnen Schemata/"Proto-Zeichen" oder einzelne Zusammenfassungen oder "Mengen" von diesen mit Buchstaben und/oder Zahlen versieht. Denn dann lässt sich die Grunddynamik des Mannes in eine einfache "Formel" packen; und zwar in folgende (vergl. zur Zahlen-Zuordnung Abb. 6; die Zahlen 1 - 6 sind die fortlaufenden Aufzählungen der einzelnen Schemata oder "Schemata-Mengen"; ein "A" kommt dann hinzu, wenn die einzelnen Zahlen auf einer "Achse" der projektions-basierten Schemata liegen; ein "B", wenn "traumatische" und "narzisstische" Elemente im Spiel sind):
- A1, A2 + B1, B2, B3 --> B4
- Womit in einfachster (und leicht vergleichbarer!) Form dargestellt ist, was in den Punkte 2 bis 4 in narrativer Form skizziert wurde; nämlich dass da ein symbiotisches Kind war, das dann "verstoßen" wurde, einen kindlichen Narzissmus entwickelte, der sich schließlich zu einem erwachsenen "auswuchs".
- Was damit noch nicht genau geklärt ist, ist die Frage, was das genau mit dem - ebenfalls schon skizzierten - Tötungsdelikt zu tun hat und wie das überhaupt zu dieser Grunddynamik gehört. Das Tötungs-Delikt wurde in Punkt 4 als "Weiterentwicklung der Grunddynamik in einer fiktiven Welt beschrieben". Doch was hat man sich darunter vorzustellen? Eine Art "Zusammenfallen" von B4 und A2, also der Abwehr mit der Projektion, wie das die klassische Psychoanalyse vielleicht beschreiben würde? Um das zu klären, muss noch etwas anderes, noch eine spezifische Art von "Bezug", gewonnen werden. Doch bevor das passiert, soll der Blick noch auf einen Vergleichsfall gerichtet werden. Was dann systematisch auch erhellen wird, was diese Formalisierung mit ihrer Vergleichbarkeit "eröffnet".