5 Klein, semiotisch reformuliert: Die MAP
(Wenn Sie im Zweig-System die Maus auf das Bild-Ikon neben den Zahlen 1 - 9 bewegen und dort halten (und gegebenenfalls noch zweimal bewegen), geht die Vortrags-Illustration GANZ auf und ist parallel zum nachstehenden Kommentar sichtbar):
- In Zweig 4 wurde herausgearbeitet, dass es sich bei Emotionen und folglich auch bei Schemata oder Imagos um einen stagnierten semiotischen Bezug handelt. Also um einen Bezug, oder genauer: um eine Entfaltung von Bezug, in der zwar eine Repräsentation oder Darstellung ausgebildet wird, die aber kein "reifes" Darstellen im Sinne von Symbolen bildet. Weil in ihr nicht Ikone auf einen Index bezogen werden (und umgekehrt), was eine feingliedrige Erfassung von dem erlaubt, wozu eine Beziehung besteht, sondern weil stattdessen einfach ein Index-artiger Bezug etabliert wird, der aber eigentlich Qualitäten des Bezugs-Objekts betrifft und deshalb eigentlich ein Ikon-artiger Bezug sein sollte.
- Insofern sind Imagos oder Schemata - in ihrer Stagnation und "semiotischen Indifferenz" - bestenfalls so etwas wie "Proto-Zeichen", die noch dazu keine explizite Form haben. Denn anders als etwa eine Farbe, die sich als Qualität ausgebildet haben mag, um einen vorlaufenden Zustand in seiner Veränderung (vergl. Zweige 3 und 4) "anzeigen" zu können, bleiben Emotionen "verdeckt" oder eben "formlos", was sich auch auf die Schemata ausweitet, die eine bestimmte Emotion prägt.
- Allerdings sind Imagos oder Schemata auch der "Ort", wo sich diese Formlosigkeit gleichsam "bricht". Weil im (evoltierten) Schema etwa eine Angst zu einem bestimmten Verhalten, einem bestimmten Sprechen und körperlichen Reagieren wird, das gleichsam als "Qualia-Gewinn" gedeutet werden kann; also als Aufkommen anzeigender Qualitäten, die sich in sprachlichen Ikonen ("Iiich schwitze...und eeees reisst mich" (sagte er stotternd)) fortpflanzen können.
- Über diese Entwicklung finden Schemata dann doch zu einer Struktur(die allerdings nicht dazu verleiten darf, diese als symbolische Struktur zu interpretieren - nur weil in ihr Worte vorkommen!), die auch als solche behandelt werden kann.
- Sprich: Schemata können - wie "reife" Zeichen - als Elemente behandelt werden, die wohl auch miteinander in Verbindung stehen (tatsächlich ist aus dem Alltag nur zu gut bekannt, wie ein "Wertlosigkeits-Erleben und -Agieren" ein "narzisstisches Erleben und Agieren" in Gang bringen kann, also irgendwie mit diesem "korreliert") und folglich auch so etwas wie eine "Logik" oder "Grammatik" aufweisen. Die es zu erforschen und auch - mit symbolischen Mitteln - zu beschreiben und auszudifferenzieren gilt.
- Damit entsteht nicht nur - bereits vor allem Denken, das durch logisch strukturierbare (Einzel)Zeichen gebildet wird und für das deshalb "Granularität" ein Wesensmerkmal ist - eine "granulare Psyche", die strukturalistisch behandelt werden kann; mithin gleich einem Text, der über eine formalisierbare Syntax verfügt: Ebenso wird durch die prä-symbolische, aber doch stagnierte semiologische Struktur der Schemata auch verständlich, weshalb sich über diese überhaupt sinnvoll sprechen lässt. Eben weil sie auf der "Achse der Bezugs-Entfaltung unter Selbst-Bezug" liegen, an deren (vorläufigem) Ende interpretierende Symbole stehen, die sich auf die Qualia, die Schemata letztlich sind, beziehen und von anderen Qualia (auf dieser Achse) abgrenzen können.
- Genau in dieser symbolbasierten Abgrenzungs-Arbeit zeigt sich ein Schema als ein Index-Ikon-vermengendes Element (das sich auch so erfährt), das dabei allerdings nicht in beliebiger Zahl oder Menge vorkommt:
- Es gehört zu den "großen Leistungen" der Schematherapie, empirisch nachgewiesen zu haben, dass sich allein eine begrenzte Menge von Imagos oder Schemata wiederholt, wenn man Menschen auf solche hin untersucht. Wie die Schematherapie auch eine einfache "Proto-Grammatik" oder "Proto-Syntax" für das Zusammenspiel von Schemata aufzeigen konnte.
- Am besten lässt sich diese Syntax hierbei dadurch fassen, dass man die einzelnen Schemata oder Elemente auf ein Blatt Papier aufträgt und auf diese Weise ein Diagramm schafft. Die Ordnung auf diesem Diagramm ist dabei - der Proto-Syntax von Schemata entsprechend - minimal: Es wird allein festgelegt, dass es - wie von der Schematherapie herausgearbeitet und von der praktischen therapeutischen Arbeit weiter bestätigt - Schemata gibt, die entweder kindliche Eltern-Bezüge, kindliche "Welt-Bezüge" oder kindliche Selbst-Bezüge ausmachen und dabei auch Darstellungen von Eltern, anderen oder einem selbst sind. Wie grafisch angedeutet wird, dass es zwischen diesen eine mögliche "Wegordnung" gibt, die in der Regel von Eltern-Repräsentanzen über "Welt"- Repräsentanzen zu Selbst-Repräsentanzen läuft, wobei letztere einem "Aushalten" der anderen Schema dienen. Wie sich diese Proto-Syntax dann im konkreten Fall (eines Menschen, der Schemata "hat") aufbaut, ist eben genau von diesem Fall und seiner Geschichte abhängig: Die Syntax bleibt "fluide" - und ist eben auch genau deshalb lediglich eine "Proto-Syntax".
- Weil damit, mit dieser diagrammatischen Bearbeitung der Schemata und ihrer Syntax, lediglich das dargestellt wäre, was Klein als "paranoid-schizoide Position" bezeichnet hat (und die hier, den erfolgten Ausarbeitungen entsprechend, zur "Schemata-Position" wird), werden den "Schemata-Elementen" auch noch einige Elemente zur Seite gestellt, die als ausgewählte, Symbol-basierte und symbolisch darstellbare Bezüge für die (reifen) Argumentationsformen der "depressiven Position" kennzeichnend sind (welche sich dabei, mit ihrem Fokus auf Propositionen und deren Wahrheitsfähigkeit, zur Ästhetischen Position wandelt, weil das "Entbergen" der "Wahrheitsmomente" eines situativen Gefüges jenes Ansinnen war, das in der griechischen Antike als Ästhetik bezeichnet wurde).
- Auf diese Weise entsteht ein landkartenartiges Diagramm, das in diesem Fall einfach als "MAP" bezeichnet wird und de facto das Kleinianische Denken semiotisch reformuliert.
- Dieses Diagramm, das freilich noch viel ausführlicher beschrieben werden könnte (was an dieser Stelle aber vorerst nicht sein muss; wie auch nicht auszuführen ist, welche Modifikationen oder Erweiterungen und dergl. gegenüber der Schematherapie erfolgten; diese wurden unter B1 Die MAP und unter B1.1 Appendizes hinreichend behandelt), wird in Abbildung 5 wiedergegeben.