Besucherschule
<div class="runtext">Seit 1968 hat Bazon Brock zu jeder Documenta, aber auch zu diversen anderen Ausstellungen Besucherschulen eingerichtet. Dabei versucht er, Vorschläge zu unterbreiten, wie man die Ausstellung und die Vielzahl der Beiträge unter zusammenhängenden Gesichtspunkten thematisieren kann. Die Programme liegen in Form von Druckerzeugnissen, Video und Filmaufzeichnungen vor.
Die Brocksche Besucherschule ist in der Vergangenheit öfters auf heftigen Widerstand gestoßen. Vor allem die Künstler selbst haben Probleme mit der Art, wie Brock ihre Exponate deutet, bzw. umdeutet. Brock hält sich nämlich nicht an die vom Künstler proklamierten Absichten der Bedeutungszuweisung (siehe Bedeutung). Vielmehr versucht er, eigene Unterscheidungskriterien auf die Objekte zu beziehen und vor allem, gegebene Objekte mit historisch gewordenen in Beziehung zu setzen. Dabei wird von Künstlerseite oft übersehen, daß Brock sich selbst lediglich als emplarischen Besucher begreift, der ein Objekt nicht in seinem Vorhandensein an sich zu begreifen versucht, sondern in seiner Bedeutung für ihn als Beobachter. Brock möchte vorführen, was es bedeuten kann, anhand eines Exponats Aussagenzusammenhänge zu konstruieren. Er möchte als exemplarischer Besucher zeigen, wie man den Aussagenanspruch eines Werks durch Aneignung kennenlernt, indem man die Form der künstlerischen Bearbeitung eines Problems auf die eigene Bearbeitung der Alltagssituation überträgt. Genau hierin zeigt sich nach Brock übrigens seine Auffassung von der Bedeutung des programmatischen Kürzels "Kunst gleich Leben".</div>
<p> </p>