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Hypertext

<p><b>I. Hypertext und assoziative Indizierung</b>

Die hypertextuelle Aufbereitung komplexer Wissensbestände problematisiert die heutige Dimension der Kontextrelativität und Referenzierungskontingenz thematischer Zusammenhänge. Hypertexte vergrößern den Informationswert von Wissenseinheiten, indem sie durch Modularisierung deren Oberfläche vergrößern und in vielfacher Hinsicht adaptativ machen. Sinn-Einheiten können nicht nur unterschiedlich verknüpft werden, sie führen darüberhinaus, teilweise auf der Basis von Zufälligkeit, zu ungeahnten und bislang nicht angedachten Zusammenhängen. Autorengenerierte assoziative Verknüpfungen von Sinneinheiten ermöglichen ein Auffinden und die Weiterverwertung von Einträgen, die unscharf gesucht wurden, deren Brauchbarkeit sich aber gerade durch eine gedankliche Nähe zum Recherchefokus erweist. Oftmals sind gerade die abwegigsten Bezüge in einer spezifischen Retrievalsituation deshalb sinnstiftend, weil sie auf eigentümliche Weise mit unseren Vorerwartungen korrespondieren – ob nun bestätigend oder überraschend.

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<b>II. Hypertext in den Künsten</b>

Hypertext als eine auf Knoten basierende Form der textuellen Verknüpfung lässt sich historisch mit experimentellen Literaturformen vergleichen, die eine Entwicklung vom geschlossenen zum offenen Kunstwerk charakterisieren.

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Nachdem mit Mallarmé die nonlineare Narrativität, mit den Dadaisten der Zufall, mit den Surrealisten das Unbewusste, mit der weiteren Öffnung des Kunstwerks Intermedialität, Interaktivität und Prozessualität Einzug gehalten haben, kommt mit dem Computernetz ein neues technisches Medium hinzu.

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Auch wenn sich die Aufschreibetechnik des Lesens und Schreibens im klassischen Sinne durch eine lineare Logik auszeichnet, haben <a href="brain://pUqy-TdC71ectolrlOtndA/Künstler" class="thought-link">Künstler</a> im Laufe der letzten Jahrhunderte immer wieder versucht, diese Logik aufzubrechen. Im Werk von Stéphane Mallarmé (1842 –1898) wurden viele Merkmale der literarischen Moderne vorweggenommen. „Un coup de dés jamais n'abolira le hasard „(1897) ist ein frühes Experiment visueller Poesie. Dieses Werk zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Leser die eigene Rezeptionsweise wählen kann: Worte können wahlweise von oben nach unten oder von links nach rechts gelesen werden, teilweise schleifenförmig oder mit Unterbrechungen über mehrere Seiten hinweg. Zusammenhänge sind zum Teil eher über die Typographie als über die narrative Linearität zu erkennen.

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Weitere Beispiele aus der Literatur sind James Joyce , William S. Burroughs, aber auch die Beatniks. Burroughs entwickelte zusammen mit Brion Gysin die Cut-Up- Methode. Sie zerschnitten Tonbänder oder Texte, z.B. aus der Tagespresse oder auch aus Shakespeare-Sonetten und fügten die Schnittkanten neu zusammen. Auf einer anderen Ebene gab es Versuche, die Literatur auf den Entwicklungsstand der Malerei zu bringen (vgl. Kubismus, Action Painting). Interessant sind auch die Aktionen der Wiener Gruppe in den 1950er und 60er Jahren: u.a. Gerhard Rühm, H.C. Artmann, Oswald Wiener.

1969 erschien Oswald Wieners Roman „Die Verbesserung von Mitteleuropa“, ein Buch, das so angelegt ist, dass man an beliebiger Stelle mit der Lektüre beginnen kann. Obwohl es sich „Roman“ nennt, gibt es keine klaren Handlungsverläufe, sondern nur ein chaotisches Gemisch von heterogenen Textfetzen. Oswald Wiener war nicht nur Romancier, sondern auch Wissenschaftler und Musiker. Sein Werk stellt so betrachtet ein Konglomerat aus Jazz, Literatur und Kybernetik dar.

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Ähnliches spielte sich auch in vielen anderen Kunstgattungen ab, in der aleatorischen (zufallsbestimmten) Musik von John Cage oder Stockhausen, im „Action Painting“ von Jackson Pollock, in Happenings, Fluxus. John Cage benutzte besonders gerne das „I Ging“ als Zufallsgenerator. Später hat Cage seine Arbeit mit stochastischen Prozessen in vielfältiger Weise weitergetrieben, indem er z.B. nur Radios als Instrumente zuliess oder indem er durch Unregelmässigkeiten im Notenpapier die Tonhöhe manipulierte. Daneben hat Cage in seiner Spätphase auch einen Computer als Zufallsgenerator benutzt.</p>