Digitale Welt
I.
Die Digitale Welt entsteht durch das fortschreitende Prozessieren des Formrepertoires rechnender Maschinen; durch die einfache Unterscheidung zweier Zustände und die kontrollierte Handhabung der fortlaufenden Differenzierung dieser Zustände (Algorithmen) ist der Computer in der Lage, in universeller Weise reale Weltbestände symbolisch zu repräsentieren. Dabei darf die heutige Komplexität der rechnenden Vorgänge nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Computer rein quantitativ vorgeht. Ihm wohnt keine lebendige Evolution inne, kein Telos, keine Reflexivität, keine Sinn(https://app.thebrain.com/brain/c29a8ee5-a860-46eb-9059-69c8f950ca6f/00000000-0000-0000-0000-000000000000)haftigkeit, keine Qualität. Er ist nichts anderes als ein beliebig skalierbares Zeichensystem, durch das Strom fließt. Aber seine Turing-Vollständigkeit, die Fähigkeit prinzipiell Alles symbolisch repräsentieren zu können, erklärt den gigantischen Einfluss der rechnenden Maschine, die sämtliche Aspekte unserer Gesellschaft und der sie repräsentierenden Lebenswelten und Teilsysteme erfasst hat.
Die von Peter Drucker so bezeichnete "Nächste Gesellschaft" entspricht der heutigen vom Rationalitätskontinuum der Computer und seiner rechnenden Verfahren dominierten Gesellschaft. Das Bild, das die Gesellschaft mittels symbolischer Repräsentanz als Bild ihrer selbst in der Gesellschaft via Kommunikation (vgl. auch Massenmedien)verbreitet, entspringt in wachsendem Masse der Logik und Ästhetik der digitalen Maschine. Es überlagert und verdrängt unser alteuropäisches Weltbild (vgl. Alteuropa) und mit ihm Prinzipien der lebendigen Evolution.
II.
Dem Algorithmus selbst wohnt kein Gestaltungsprinzip inne. Alles was die Maschine erledigt, von der einfachsten Rechenoperation, über komplexes Rendering bis hin zur avanciertesten künstlichen Intelligenz, all das hat mit Gestaltung nichts zu tun. Die Maschine hat keine Schöpfungshöhe, keine Kreativität, keine Poesie, sie kann diese Dimensionen lediglich simulieren, mit mehr oder weniger respektablen Ergebnissen. Ein Gestalter, der nur Technik ausreizt und anwendet, ist kein Gestalter, sondern ein Techniker oder Handwerker!
Die digitale Maschine und nachgerade die digitalen Medien verblenden den Zusammenhang zur Leere der Welt und damit zur Metaphysik. Sie sind auf Sichtbarkeit und Simultanerfassung von Oberflächenstrukturen ausgerichtet. Sie interessieren sich nicht für Unterflächlichkeit, weil der digitalen Logik die Adressierung von Qualität und Wert (als das Andere der Logik) gänzlich unerschlossen bleibt.
Das macht deutlich, dass die Poetische Dimension1 als eigenständige reale Dimension im Unterschied zur rechnenden Instanz, ihrer Logik und Algorithmen entwickelt werden muss.
Fußnoten:
^1 Synonyme dafür sind: Ästhetische Dimension, Qualität(https://app.thebrain.com/brain/c29a8ee5-a860-46eb-9059-69c8f950ca6f/00000000-0000-0000-0000-000000000000), Wert.