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Blinder Fleck

Warum sieht der Mensch die Dinge nicht? Er steht selber im Wege. Er verdeckt die Dinge1

Gemäß dem Spencer Brown'schen Indikationenkalkül ist das Treffen einer Unterscheidung die grundsätzlichste aller möglichen Operationen. Dabei kann die Einheit einer Unterscheidung zwar mit weiteren Unterscheidungen unterschieden werden, aber niemals durch sich selbst. Wenn man also mit der Unterscheidung empirisch/transzendental argumentiert (so wie Kant es gemacht hat), kann man nicht angeben, ob diese Unterscheidung selbst empirisch oder transzendental ist. Jede Unterscheidung ist also blind für ihre Ausgangsbasis, jede Beobachtung ist unsensibel für die Einheit ihrer zugrundegelegten Unterscheidung. Der Beobachter sieht also, was er mittels seiner Unterscheidung sieht, nicht mehr und nicht weniger oder wie Heinz von Foerster pointiert formuliert: Observer in - system out.2

„Blindheit ist eine Waffe gegen Zeit und Raum; unser Dasein eine einzige ungeheuerliche Blindheit bis auf ganz wenige, das wir durch unsere kleinlichen Sinne -kleinlich ihrem Wesen wie ihrer Reichweite nach- erfahren. Das herrschende Prinzip im Kosmos ist die Blindheit. Sie ermöglicht ein Nebeneinander von Dingen, die unmöglich wären, wenn sie einander sähen. Sie gestattet das Abreißen der Zeit dort, wo man ihr nicht gewachsen wäre. Was zum Beispiel ist eine Dauerspore anders als ein Stück Leben, das sich bis auf Widerruf mit Blindheit umhüllt? Der Zeit, die ein Kontinuum ist, zu entrinnen, gibt es nur ein Mittel. Indem man sie von Zeit zu Zeit nicht sieht, zerbricht man sie in die Stücke, die man von ihr kennt.“ (Elias Canetti, die Blendung)

Fußnoten

  1. Nietzsche, Morgenröte, Werke II, Ffm. 1972, S. 226
  2. siehe hierzu: Simon, Fritz B. (Hg.): Lebende Systeme.Wirklichkeitskonstruktionen in der systemischen Therapie, Berlin 1988

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