Neuzeitliche Gesellschaft
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<p>Die alteuropäische Gesellschaft begründete sich auf die Natur des <a href="brain://XbrO__z711yV4UfNxy07bQ/Mensch" class="thought-link">Mensch</a>en. Die sozialen Beziehungen menschlicher Existenz wurden unterschieden in:</p>
<ul>
<li>abträgliche (Feind), Störbarkeit durch andere und</li>
<li>förderliche (Freund), Angewiesensein durch andere.</li>
</ul>
<p>So läßt sich die alteuropäische Gesellschaftstheorie kennzeichnen als normative Theorie unter ethischen Aspekten, weil sie dem Handelnden die richtigen Zwecke zuschreibt. Das Bezugsproblem der politischen Gesellschaft (<i>polis</i>) ist die politische Kontingenz des "guten" Lebens, der Zweckerfüllung und Bedürfnisbefriedigung.
Im Vordergrund der neuzeitlichen Theorie steht die soziale <a href="brain://gJIt5J1qtFmqlx2A8pdzGA/Kontingenz" class="thought-link">Kontingenz</a> der <a href="brain://tdIVCQd9WlqhPyGYhxGbMw/Welt" class="thought-link">Welt</a>. Das spezifisch neuzeitliche wird gedacht als Subjektivität des Selbstbewußtseins (vgl. <a href="brain://xPh18iw1flWUqK1TaGQz4w/Subjekt" class="thought-link">Subjekt</a>). Die subjektiven Bedingungen sinnhaften <a href="brain://lKUwnmd9GFaV6Far8F0HLA/Erleben" class="thought-link">Erleben</a>s setzen den Menschen als mitkonstituiertes Subjekt immer schon voraus. Die Konstitution von <a href="brain://N2GGaXf1NFGd8nDG3uOfDQ/Sinn" class="thought-link">Sinn</a> und <a href="brain://tdIVCQd9WlqhPyGYhxGbMw/Welt" class="thought-link">Welt</a> muß als intersubjektive Leistung angesehen werden. Intersubjektive Konstitution heißt dann aber nichts anderes als soziale Kontingenz der Welt, nämlich Betrachtung des Gegebenen unter dem Gesichtspunkt anderer Möglichkeiten.
Kontingenz als philosophisches Problem kommt allerdings erst im 20. Jahrhundert in den Blickpunkt.
Ebenso wie in der Antike, wurde in der Neuzeit die Gesellschaft von einem ihrer führenden Teilbereiche definiert. War es damals die Politik, so war es jetzt die Wirtschaft. Dabei fiel dem Bürger eine doppelte Rolle zu: als Staatsbürger (citoyen) konnte man sich auf das Ganze beziehen, als bourgeois konnte man sich auf andere, zum Zweck des Austauschs und der Bedürfnisbefriedigung, beziehen. Die Selbstverwirklichung war nicht mehr das "gute Leben", sondern jeder suchte sein Glück als Privatperson. So wurde die Politik allmählich unter die Bedingungen der Wirtschaft gestellt. Die Vernunft war nun nicht mehr Privileg der herrschenden Klasse, sie wurde jedem Bürger zugestanden.
Luhmann bemerkt, daß diese Art der Gesellschaftsbeschreibung einer unvollständig ausdifferenzierten Gesellschaftsordnung angemessen ist. In der Antike war man tatsächlich durch die <i>polis</i> und in der Neuzeit durch die Wirtschaft bestimmt. "Nur politische Herrschaft konnte den Bestand der frühen, den archaischen Gesellschaften abgerungenen Hochkulturen sichern und nur ein hochkomplexes Teilsystem der Wirtschaft vermochte die moderne technisch- industrialisierte Gesellschaft herbeizuführen."
(vgl. <a href="brain://md0TOA3yuVOYpeQrA2PfbQ/ModerneGesellschaft" class="thought-link">Moderne Gesellschaft</a>)
 
<b>Literatur</b>
 
• Habermas/Luhmann: Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie. Theorie-Diskussion, Ffm. 1985</p>
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