Kommunikationsdesign
Kommunikationsdesign – ein Sachverhalt sui generis
Kommunikationsdesign ist eine eigentümliche Tätigkeit, eng verwoben mit den Ansprüchen und Aktionsfeldern einer modern werdenden Gesellschaft, die in jeder Hinsicht und mit allen medialen Hilfsmitteln über sich selbst informiert. Kommunikationsdesign stiftet Ordnung im Dickicht wachsender Informationsmengen, schafft Orientierung in der Flut von Erzählungen, Bildern, Vorkommnissen aller Art. Wer über die Dimension des Grafikdesign und der visuellen Kommunikation hinausdenkt, erkennt schnell, dass es bei Kommunikationsdesign nicht nur um Entwurfs oder Konzeptionstechniken geht, sondern um die umfassende Dimension aller gestalterischen Aktivitäten auf der Ebene der Produktion und der Rezeption.
Wenn Design grundsätzlich - so wie die Künste - ein auf hohe Qualität gerichtetes Bemühen ist, dann ist Kommunikationsdesign das Bemühen, diese Qualität im Verhältnis von Produzent und Rezipient, von Sender und Empfänger, von Intra- und Extrapsyche verständigungsorientiert (verstehensgeschlossen) zu verorten. Deswegen ist Kommunikationsdesign in einem viel umfassenderen Sinne als Grafikdesign oder visuelle Kommunikation angewiesen auf Erkenntnisse und Beobachtungsweisen, wie sie in anderen Disziplinen gewonnen wurden.
Gemäss diesen Überlegungen gehen wir davon aus, dass Design keine originäre Theorie produziert und auch nicht produzieren muss. Design erfährt seine Einheit nicht durch die Geschlossenheit eines theoretischen Zusammenhangs. Soweit es auf originäre Theorie zugreift, bedient es sich der klassischen akademischen Disziplinen, wenn es selbst theoretisch aktiv wird, gerinnt es allenfalls zur Philosophie, zur Wissenschaft, oder zur Poetik. Theorie ist und bleibt wichtig, ja sogar konstitutiv fürs Design, aber eben nur als designerische Umwelt.
Wenn man diesen Gedanken akzeptiert, bleibt als „Designeigenes“ eine spezifische Art der Praxis und es ist davon auszugehen, dass es die Praxis der An- und Umverwandlung, der Aufbereitung, der Transformation ist. In diese Sinne verstehen wir auch die von Uta Brandes eingeführte Begrifflichkeit des Designs als „transitorische Disziplin“. Design liegt quer zu den klassischen Disziplinen, weil es die Frage des „Wozu“ stellt. Design ist auf Aneignung ausgerichtet, es konfrontiert die Quantität dinglicher und immaterieller Faktizitäten mit einem Möglichkeitenkontinuum qualitativer prozessualer Bewertung, es macht die Bindung eines jedweden Inhalts an Form sichtbar, schafft Formate und wirkt über die Formatierung auf die Faktizität des Faktischen zurück.
So produziert das moderne Design Wissen, indem es Wissen formatiert. Präziser ausgedrückt: Informationen werden so formatiert, dass sie optimal rezipiert werden können. Deshalb muss das Design relevante Verfahren der Wissensaufbereitung, der Wissensarchivierung, der Wissensvisualisierung und der Wissensvermittlung entwickeln. Es geht darum, disparate Dimensionen des Wissbaren zusammenzubringen, mit gestaltformierender Kraft anschaulich und dadurch überhaupt erst verfügbar zu machen. (vgl. Wissensdesign)