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Kommunikation

I.

Kommunikation ist kein Transport von Information, sondern ein Ereignis. Sie vollzieht sich nicht zwischen Sender und Empfänger, sondern entsteht als Einheit dreier Komponenten: Information, Mitteilung und Verstehen. Erst wenn diese drei Momente zusammenfallen, ist Kommunikation geglückt – nicht weil etwas weitergegeben wurde, sondern weil etwas Drittes emergiert ist: Sinn.

Sinn ist das Medium der Kommunikation. Nicht im Sinne eines Kanals, sondern als Möglichkeitsraum. Kommunikation heißt nicht, dass etwas gesagt wird, sondern dass gesagt werden kann – und dass das Gesagte als solches verstanden wird. Dieses Verstehen ist kein Nachvollzug, sondern ein Selektionsakt. Jeder Kommunikationsakt ist Selektion im Raum der Möglichkeiten: Was wird thematisiert? Was bleibt unausgesprochen? Was wird implizit mitverhandelt?

Gestaltung beginnt mit dieser Einsicht. Sie entwirft nicht nur Formen, sondern auch Kommunikationsräume. Jeder Entwurf ist ein Kommunikationsangebot – ein selektives, situiertes, potenziell anschlussfähiges Artefakt. Er spricht, noch bevor er verstanden wird. Kommunikation durch Gestaltung heißt: Bedeutung in Form überführen, ohne sie festzuschreiben. Es geht nicht um Repräsentation, sondern um Resonanz.

Systemtheoretisch ist Kommunikation die kleinste Einheit sozialer Systeme. Kein Individuum kann kommunizieren – wohl aber kann es an Kommunikation teilnehmen. Kommunikation ist nicht Ausdruck von Bewusstsein, sondern ihre strukturelle Kopplung. Sie verbindet nicht Personen, sondern Beiträge. Kommunikation hat keine Subjekte, sie hat nur Anschlusslogiken.

Diese Anschlusslogik ist zentral: Jede Kommunikation ruft Folgekommunikation hervor – oder scheitert. Gestaltung wirkt in genau dieser Logik: Sie erzeugt Vorschläge zur Weiterführung, zur Kontextualisierung, zur Veränderung. Sie ist nie Selbstzweck, sondern immer Versuch zur Anschlussfähigkeit. Was nicht anschlussfähig ist, verschwindet. Was anschlussfähig ist, kann Welt prägen.

Die Bedingungen von Kommunikation haben sich mit der Moderne dramatisch verändert: Durch funktionale Differenzierung, durch Medienpluralisierung, durch Digitalisierung. Kommunikation findet heute in hochspezialisierten, eigenlogischen Systemen statt – in Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Technik. Jedes dieser Systeme kommuniziert anders. Gestaltung muss diese Eigenlogiken kennen, reflektieren und produktiv machen.

Kommunikation ist dabei nicht nur ein soziales, sondern auch ein ästhetisches Phänomen. Die Form, in der etwas gesagt wird, ist Teil dessen, was gesagt wird. Rhetorik, Design, Architektur, Klang, Bild – sie alle sind Kommunikationsmodi. Wer kommuniziert, gestaltet. Wer gestaltet, kommuniziert. Es gibt keine Form ohne Aussage.

Darum ist Kommunikation nicht das Ende, sondern der Anfang von Gestaltung. Sie ist das Versprechen, dass Welt nicht abgeschlossen, sondern anschlussfähig ist. Sie ist der Raum, in dem Differenz nicht Trennung, sondern Resonanz erzeugt.

II.

Kommunikation wird in der modernen Systemtheorie als der soziale Sachverhalt schlechthin gesehen, als eigenständiger Prozess, der unabhängig von Bewußthabern und anderen Systemtypen abläuft. Die endlose Offenheit der Welt erfordert mittels Sinn die Geschlossenheit selbstreferentieller Systembildung. Im Falle der Geschlossenheit kommunikativer Systeme orientiert sich der Verweisungszusammenhang an semantisch fixierten Differenzlinien, an Limitationen. Kommunikation ist keine Informationsübertragung von Sender zu Empfänger, sie wird nicht vom Mitteilungshandeln, sondern vom Verstehen her begriffen. Schrift ohne Leser kommuniziert nicht, Bild ohne Rezipient auch nicht.

1982 noch ging Luhmann davon aus, daß die Gesellschaft die Kontinuität ihrer eigenen Reproduktion durch den Anschluß von Handlung an Handlung ermöglicht.1 Handlungen wurden also als Letztelemente eines sozialen Systems angesehen. Damit war bereits aufgezeigt, daß soziale Systeme nicht aus konkreten Individuen bestehen, sondern aus sinnhaft verknüpften Handlungen, die sich über Erwartungen konstituieren. Nicht Subjekte sondern soziale Systeme handeln, lautete die Devise. Die Vorstellung des Handlungssystems soll mit der Einführung des Autopoiesismodells nicht gänzlich zurücktreten, aber der Stellenwert des Handlungsbegriffs wird zugunsten des Kommunikationsbegriffs abgewertet. Die Devise lautet jetzt: Nicht Subjekte kommunizieren, sondern die Kommunikation kommuniziert. Wie lässt sich diese tautologische Begriffsfassung denken?

Zunächst muß man, ganz im Sinne der Autopoiesisvorstellung Maturanas, die Analyse von Kommunikationsprozessen vom Prinzip der Informationsübertragung befreien. Kommunikation kann demnach nicht bedeuten, daß irgendein Wissen von ego zu alter transferiert wird, sondern Kommunikation kann lediglich dazu führen, daß alter innerhalb seines kognitiven Bereiches, aufgrund seiner Strukturdeterminiertheit Anpassungsleistungen vollzieht. Kommunikation hat also nichts mit Geben und Nehmen zu tun, sondern eher mit einem wechselseitigen "sich-Aufschwingen". Die physikalische Analogie hierzu lautet: Resonanz.2

Luhmann versteht Kommunikation, ähnlich wie Leben und Bewußtsein, als "emergente Realität, als Sachverhalt sui generis."3 Dementsprechend geht es ihm nicht darum, aufzuzeigen, daß Personen oder verschiedene Bewußtseinssysteme miteinander kommunizieren, sondern er möchte Kommunikation als Sachverhalt verstanden wissen, der sich gerade dadurch auszeichnet, daß er sich der unmittelbaren Zurechenbarkeit auf individuelle Bewußtseinssysteme oder Akteure entzieht. Bewußtseinssysteme haben zwar etwas mit Kommunikation zu tun, letztendlich wäre Kommunikation ohne Bewußtseinssysteme nicht möglich, aber Luhmann betont zurecht, daß ebenso wie Bewußtsein eine Bedingung für Kommunikation darstellt, Kohlenstoff, gemäßigte Temperatur oder Erdmagnetismus, als Voraussetzungen für Kommunikation anzusehen sind. "Man kann angesichts der Komplexität der Welt nicht alle Bedingungen der Möglichkeit eines Sachverhalts in den Begriff dieses Sachverhalts aufnehmen; denn damit würde der Begriff jede Kontur und jede theoriebautechnische Verwendbarkeit verlieren."4

Diese Darstellung der Kommunikation ist gedanklich von daher schwer mitzuvollziehen, als daß von der gängigen Sender/ Empfänger-Vorstellung, bzw. des Dualismus von ego und alter, nicht ohne weiteres abstrahiert werden kann. Selbst wenn zwischen ego und alter keine direkte Übertragung stattfindet, wenn also lediglich Selektionsvorschläge unterbreitet werden, so bleibt man immer noch (mit Maturana) bei der Vorstellung von mindestens zwei selektierenden Einheiten, die miteinander in Beziehung treten.

Diese Schwierigkeit läßt sich nur dadurch überwinden, daß man den Kommunikationsbegriff vollständig von der kausalen Zurechnung, der an der Kommunikation beteiligten Einheiten, also vom Prozess seines Zustandekommens, trennt. Diese Einheiten sind dann als Umwelten von Kommunikation zu denken, die aufgrund einer völlig anderen Operationsweise, gegen Kommunikation abgeschlossen sind, aber gerade wegen ihrer Abgeschlossenheit umso reichhaltigere Kommunikation bewirken.

Luhmann greift zur Klärung des Kommunikationsbegriffs zunächst auf den Sinnbegriff zurück. "Sinn ist eine allgemeine Form der selbstreferentiellen Einstellung auf Komplexität, die nicht durch bestimmte Inhalte (unter Ausschließung anderer) charakterisiert werden kann."5 "Die Selbstbeweglichkeit des Sinngeschehens ist Autopoieisis par excellence."6 Der Gegenbegriff zu Sinn ist nicht Sinnlosigkeit, sondern Sinn ist der Differenzbegriff zur Einheit aller Möglichkeiten, zur Welt.7 Sinn verweist stets auf anderes, auf die Differenz zum jeweilig Aktualisierten. Sinn ist selektives Geschehen und psychische und soziale Systeme können sich nur durch Sinn konstituieren.8 Kommunikation ist dementsprechend anzusehen als ein fortlaufendes Prozessieren von Selektionen (nämlich von Auswahl und von Nichtausgewähltem).

Luhmann versteht Kommunikation nun als dreistelligen Selektionsprozess nämlich als Synthese aus Information, Mitteilung und Verstehen.9 Kommunikation kann so als einheitliche Operation verstanden werden, die jedoch nur zustande kommt, wenn die sie konstituierenden Bedingungen erfüllt sind.10 Das heißt, keine der drei Komponenten kann für sich alleine Kommunikation bewirken.

Stellen wir uns die beiden Positionen11 alter und ego vor. Ein Mindestmaß an auf Kenntnissen gegründeter Erwartungen und wechselseitiger Beobachtung sei vorausgesetzt.12 Ebenso sind beide füreinander nicht kalkulierbar und nicht durchschaubar. Sie erfahren sich gegenseitig als Systeme mit Umwelt, operieren also unter der Prämisse doppelter Kontingenz. Sie sind black boxes. Dennoch können sie mit ihrem Aufeinandertreffen "Weißheit" erzeugen.13 ^Sie konstruieren quasi eine gemeinsame Realität durch einen fortlaufenden Prozess wechselseitigen Unterstellens. Dieser Prozess läßt sie nicht verschmelzen, sie bleiben getrennt. Die Sinnerfahrungen kreuzen sich nicht, aber 'Sinnhaftigkeit' der Operationen entsteht mit der Erzeugung einer von ihnen unabhängigen, emergenten Ordnung: eines sozialen Systems. Der Sinn eines solchen Systems findet seinen Grund in der Bedingung des wechselseitigen Konditionierens, des Unterstellens von Unterstellungen, des Erwartens von Erwartungen.14 Die doppelte Kontingenz löst sich auf in der Bildung eines Systems mit einer aüßerst instabilen Grundstruktur. Der semantische Tenor könnte hier lauten: "ich tue was du willst, wenn du tust, was ich will", oder "ich lasse mich von Dir nicht bestimmen, wenn Du dich nicht von mir bestimmen läßt".15 Die doppelte Kontingenz wirkt so als Katalysator für die Entstehung evolutionärer Prozesse, die insich abgeschlossen funktionieren, aber unter der Prämisse, daß sie stets den Verweisungshorizont des Ebenso- möglichen mit sich führen. Jede Selbstfestlegung, jeder Zufall, jeder Anstoß gewinnt so Information und Anschlußwert für weiteres.

Wie sieht nun die Konstellation aus, die zum Zustandekommen von Kommunikation notwendig ist?

Ego muß zunächst die Mitteilung von einer bloßen Verhaltenswahrnehmung und vom Mitteilungsinhalt unterscheiden können. Indem er bemerkt, daß alter sich auf ihn bezieht, erfährt er ein Selektionsangebot. Hierfür muß alter nicht unbedingt zu ihm sprechen. Ein Lächeln reicht. Auch muß alter keine Mitteilungsabsicht haben. Ego muß lediglich die Information von der Mitteilung trennen können.16 Wenn dies gesichert ist, kann weiteres daran anschließen. Doch Kommunikation ist bereits mit der Unterscheidung von Mitteilung und Information realisiert.

Selbst wenn ego die Kommunikation ablehnt; um überhaupt abzulehnen, muß er nämlich zunächst verstehen. Verstehen schließt im Luhmannschen Sinne Mißverstehen mit ein. Verstanden werden kann nämlich lediglich ein Selektionsvorschlag, der wiederum selektiert werden muß. Das Verstehen selbst ist nun gleichsam Anschlußvoraussetzung für weitere Kommunikation. Bei jeder weiteren Kommunikation wird mitgeprüft, ob die vorausgehende Kommunikation verstanden wurde, oder nicht. Die Kommunikation produziert sich so durch eine permanent mitlaufende Verstehenskontrolle voran.

In diesem Sinne produzieren ego und alter durch wechselseitiges sich-aufeinander-beziehen ein emergentes, von ihren eigenen Absichten und Motiven losgelöstes Geschehen. Es geht nicht um gelingende- oder mißlingende Übertragung von Informationen, es geht auch nicht um Konsens oder Dissens, es geht darum, daß Kommunikation sich verselbstständigt, sich von den Bedingungen ihrer Möglichkeit befreit. Ganz im Sinne der systemtheoretischen Denkweise begreift Luhmann Kommunikation also als ein rein formales Geschehen- und als solches unabhängig von den in diesem Geschehen transportierten Inhalten.

Handelt es sich bei alter und ego um Bewußtseinssysteme, so operieren sie in einem gegen die Kommunikation abgeschlossenen Bereich, sie können nicht miteinander kommunizieren. Sie können lediglich einen Prozess anregen, der aufgrund seiner operativen Geschlossenheit seine eigenen Regeln und seine eigene Realität konstatiert. Sie liefern dazu Rauschen, Störungen, Irritationen, aber niemals Kommunikation selbst.

Man muß sich fragen, wie unter solchen Bedingungen überhaupt Abstimmungen und kontextgebundene Sinnreduktionen möglich sind. Luhmann verdreht nämlich mit seiner Analyse das alltägliche Verständnis insofern, als daß er gerade das Selbstverständliche und Gängige durch radikale Differenzierung von Begrifflichkeiten in den Bereich des Unwahrscheinlichen und Problematischen rückt.17

Die Antwort lautet: "Diejenigen evolutionären Errungenschaften, die an jenen Bruchstellen der Kommunikation ansetzen und funktionsgenau dazu dienen, Unwahrscheinliches in Wahrscheinliches zu transformieren, wollen wir Medien nennen."18 Luhmann unterscheidet dabei drei verschiedene Medien, nämlich Sprache (als Medium für Zeichengebrauch), Verbreitungsmedien (Schrift, Druck, Funk) und symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien (z.B. Wahrheit, Liebe, Macht, Kunst, Eigentum, religiöser Glaube, etc.)19

Den Grund, warum Gesellschaftstheoretiker lieber vom Handlungs- als vom Kommunikationsbegriff ausgehen, sieht Luhmann darin begründet, "daß Kommunikation nicht direkt beobachtet, sondern nur erschlossen werden kann."20 Zur Selbstfestlegung des Kommunikationssystems als Handlungssystem bedarf es nach Luhmann nämlich einer weiteren Systemoperation, der Selbstbeobachtung. Nur durch Selbstbeobachtung kann ein Kommunikationssystem sich als Handlungssystem auffassen. Handlung ist also eine Zurechnungsleistung. Obwohl die Kommunikation permanent weiterläuft, läßt sich quasi eine zeitlich fixierte Sequenz durch Selbstbeschreibung als Handlungseinheit deuten. Die Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung des Kommunikationsprozesses, also das Kommunizieren über Kommunikation, ermöglicht gleichsam die Selbststeuerung von Kommunikationssystemen.

Nach Luhmann läuft das unmittelbare Verständnis eines Handlungssystems der komplexen Wirklichkeit der kommunikativen Ereignisse zugegen. Handlungssysteme müssen ihren eigenen kommunikativen Kontext voraussetzen; Kommunikation ist die tiefer liegende Operation. Damit ein System aber selbstreferentiell voranprozedieren kann, muß es in sich selbst eine Beschreibung (und dies ist nie eine Abbildung, sondern stets eine Reduktion, eine Simplifikation) erzeugen. Kommunikation setzt zunächst Systembildung in Gang, sie lässt sich dann aber nur handhaben durch Zurechnungsprozesse.

Kommunikation ist also ein selbstreferentieller Sachverhalt. Er findet seine Einheit nicht im Subjekt, sondern als Letztelement sozialer Systeme, die sich dadurch reproduzieren, daß sie Einheiten spezifischen Sinns durch ein Netzwerk von Einheiten spezifischen Sinns produzieren.

Für Gestalter gilt, dass je weniger eine Information in Form gebracht wird, umso mehr Raum läßt sie für Anschlussoperationen und Interpretation. Je strenger informiert wird, umso weniger wird kommunikativ interpretiert und gefiltert.  Dementsprechend arbeitet der Künstler kommunikativ und anschlussoffen, der Designer hingengen verstehensgeschlossen, informativ. Design kommuniziert nicht, sonden informiert.

Fußnoten

  1. siehe: Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität, Ffm. 1982, S. 9
  2. Das Phänomen der Resonanz bedeutet, daß Oszillatoren andere Oszillatoren praktisch ohne Energieübertragung zum Schwingen in der gleichen oder in verwandten Frequenzen stimulieren. Siehe Erich Jantsch: Erkenntnistheoretische Aspekte der Selbstorganisation natürlicher Systeme, in; Siegfried J. Schmidt: Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus, Ffm. 1987, S. 170. Nach Luhmann weist der Begriff darauf hin, daß Systeme nur nach Maßgabe ihrer eigenen Struktur auf Umweltereignisse reagieren können. Dazu Luhmann ausführlich in: Ökologische Kommunikation, Opladen 1986, S. 40-51.
  3. Niklas Luhmann: Was ist Kommunikation? Information Philosophie 1 (1987), S. 4-16. Auch in Fritz B. Simon (Hg.), Lebende Systeme: Wirklichkeitskonstruktionen in der systemischen Therapie, Berlin 1988, S. 10-18. - Engl. Übers. in: Communication Theory 2 (1992), S. 251-259
  4. Niklas Luhmann: Was ist Kommunikation, a.a.O., S. 15
  5. Niklas Luhmann: Soziale Systeme, Ffm. 1987, S. 107
  6. Niklas Luhmann, Soziale Systeme, a.a.O., S. 101
  7. Luhmann lehnt sich hier an Husserls Phänomenologie an, begründet seine Welt/ Sinn-Konstellation allerdings ohne die grundsätzliche Annahme eines erlebenden Subjekts. Er argumentiert vielmehr auf der Ebene von Evolution: "Wir fassen diese Beschreibung als...Selbstbeschreibung der Welt in der Welt." Siehe Soziale Systeme, a.a.O., S. 105
  8. Nach Luhmann sind soziale und psychische Systeme "im Wege der Ko-Evolution entstanden. Die eine Systemart ist nicht ohne die andere möglich und umgekehrt. Sie haben sich, wenn man so sagen darf, am Sinn ausdifferenziert." Siehe Niklas Luhmann: Soziale Systeme, a.a.O., S. 141. Luhmann gibt also nicht der Psyche den Vorrang vor der Kommunikation. Wichtig ist es nach Luhmann, zu verstehen, daß Sinn sich stets selbstreferentiell bildet, also keinen eigentlichen Träger im Sinne einer Substanz beansprucht. "Sinn trägt sich selbst, indem er seine eigene Reproduktion ermöglicht. Und erst die Formen dieser Reproduktion differenzieren psychische und soziale Strukturen." (Soziale Systeme, a.a.O. S. 141, 142)
  9. Niklas Luhmann: Soziale Systeme, a.a.O., S. 191 ff.
  10. Nur wenn diese Synthese gelingt, kann Kommunikation an weitere Kommunikation anschließen und nur so kann die Autopoiesis des Systems funktionieren.
  11. Luhmann vermeidet bewußt die Personen- oder Bewußtsseinsanalogie, weil zum Zustandekommen von Kommunikation als selbstreferentieller Prozess das Zusammenwirken zweier informationsverarbeitender Prozessoren, die sich aufeinander und übereinander auf sich selbst beziehen können, ausreicht. Die Begriffe ego und alter halten offen, ob es sich um psychische oder soziale Systeme handelt. siehe Soziale Systeme, a.a.O. S. 151, f. und 191 f.
  12. Sonst kommt Kommunikation erst gar nicht in Gang. Siehe Soziale Systeme, a.a.O., S. 155.
  13. Luhmann verweist in diesem Zusammenhang auf die Aufsätze von Ranulph Glanville mit den bezeichnenden Titeln: "Whitening the black box" und "Inside every white box there are two black boxes trying to get out." (Soziale Systeme, S. 156)
  14. Nach Luhmann drängt Sinngebrauch "in jedem Falle zur Generalisierung, zur Auszeichnung bewährter Erwartungen mit zugeordneter Risikoabsorption." In: Soziale Systeme, a.a.O., S. 146.
  15. Niklas Luhmann: Soziale Systeme, a.a.O., S. 166 und 167.
  16. Rasches Gehen kann in diesem Sinne als Zeichen für Eile beobachtbar sein, aber auch als Demonstration von Eile. Letzteres deutet dann auf Kommunikation hin. In: Soziale Systeme, a.a.O., S. 208
  17. Allerdings ergibt sich aber auch gerade dadurch erst die Möglichkeit einer Blickweise, die das "Unsichtbare sichtbar" macht. Das permanente Prozessieren des gesellschaftlichen Geschehens spielt sich nämlich aufgrund seiner latenten, unaufhörlichen Aktualität tatsächlich in einem Bereich ab, der der Aufmerksamkeit des Alltagsbewußtseins entgeht. So kann Luhmann zum aufklärerischen Anliegen der kritischen Theorie, nämlich die Fassade der Gesellschaft zu durchbrechen, und zu benennen, was insgeheim das Getriebe zusammenhält (Adorno), seinen eigenen Part beisteuern: was hinter der Fassade der Gesellschaft insgeheim das Getriebe zusammenhält, ist das Selbstprozessieren der Kommunikation. Erst nach dieser Feststellung, so müßte man mit Luhmann argumentieren, läßt sich ausmachen, unter welchen Bedingungen sich Kommunikationsprozesse temporär stabilisieren und im Einzelfall, als konsensuelle Realität bezeichnen lassen. Das methodologische Konzept, Normales für unwahrscheinlich zu erklären, den Schein der Normalität zu durchbrechen, begreift Luhmann mithin analog zu Husserl (aber nicht im transzendentaltheoretisch gemeinten Sinne) als "phänomenologische Reduktion". (Soziale Systeme, a.a.O. S. 162)
  18. Niklas Luhmann: Soziale Systeme, a.a.O., S. 220
  19. Für einen interessanten Einblick zur Funktions- und Wirkungsweise von symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien eignet sich: Niklas Luhmann; Liebe als Passion: Zur Codierung von Intimität, Ffm. 1982
  20. Niklas Luhmann: Soziale Systeme, a.a.O., S. 226

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