Scheitern als Gelingen
"Seit der Kantischen Transzendentalpoesie wissen wir es: die Dinge sind mehr als sie sind. Sie verweisen auf andere Möglichkeiten, vor allem auf die, die nicht aktualisiert werden können, deren wir nicht habhaft werden. So bemerken wir an dem, was wir haben, das, was uns fehlt. Und weil die Dinge, die wir haben, sich ändern, bleibt uns letztlich nur das, worauf wir permanent verzichten müssen: die Sehnsucht nach Vollkommenheit, insofern sie uns fehlt, das Verlangen nach Glück und Zufriedenheit, insofern es fehlt, das Verlangen, das Konkrete möge Vergegenständlichung des abstrakt Allgemeinen und ewig Ideellen sein." (Bazon Brock)
Gerade im Streben nach dem Höchsten, nach Herostratentum, Absolutismus, Schöpferkraft, Schönheit, Wahrheit, Ewigkeit, werden wir unbarmherzig an unseren Ansprüchen scheitern.
Deshalb empfiehlt die [Nichtnormative Ästhetik](https://app.thebrain.com/brain/c29a8ee5-a860-46eb-9059-69c8f950ca6f/33fd88ea-64e5-5a95-b898-7c1d74a70428) dem Gestalter, sich grundsätzlich in seinen Ansprüchen als gescheitert zu begreifen, seine Sehnsüchte nach Transzendenz in diesem Sinne zu thematisieren und als heilungssuchender Kranker zu versuchen, zur Normalität des gesellschaftlichen Lebens zu finden. In einer Welt der relativen Wahrheiten geht es nicht mehr um das Absolute, sondern um die Heiligsprechung des Profanen, des Bruchstückhaften, des Banalen, des Alltags.