Open in TheBrain

Absurdität

<div class="runtext">

<p>Das Gebet stellt sich ein, wenn die Nacht das Denken überkommt. Es ist aber notwendig, daß der Geist der Nacht begegne. (Camus)

Das Absurde ergibt sich aus der grundlegenden Differenz von menschlicher Aktion und Wirklichkeit. Wir sehnen uns nach dem Unendlichen, nach Sinn und Eindeutigkeit und sind permanent konfrontiert mit der eigenen Vergänglichkeit, der grundlegenden Sinnlosigkeit unserer Bemühungen und der Mehrdeutigkeit einer Welt, die weder Plan noch Ziel kennt und offensichtlich von keinerlei höherer Vernunft gelenkt ist. Wie sagt Jan Hoet: <b>Logik perfekt, Mensch verloren</b>!

In dieser Situation scheint es sinnvoll, sich auf das Camus`sche Credo einzulassen, der mit seiner Version des mittelmeerischen Denkens das Aushalten der Differenz fordert. Der Mensch soll nicht Jenseitiges erhoffen (in den Glauben springen), sondern Diesseitiges ausschöpfen. Er soll sich - Nemesis, der Göttin des rechten Masses erinnernd - um den Ausgleich der Gegensätze bemühen und sein Scheitern als einzig plausible Form des Gelingens anerkennen.

&#160;

Welchen Vorteil hat Sisyphos gegenüber seinen Artgenossen? Er weiss, dass der Stein, der unter grössten Mühen den Berg hinauf gebracht wurde, wieder runterrollt, dass er wieder hochgebracht wird, um erneut herunterzurollen. Sisyphos steht nicht auf dem Berg und triumphiert, sein Triumph ist die Anerkenntnis der nicht enden wollenden Mühen des Alltäglichen. Im permanenten Abarbeiten von Problemen findet Sisyphos seine ureigenste Freiheit und sein Glück.

&#160;

<b>Literatur:</b>

&#160;

Albert Camus:

&#160;

• Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde, Hamburg 1959

• Der Fremde, Hamburg 1969</p>

</div>

<p>&#160;</p>