Abbildtheorie
Der alltägliche Umgang mit der Welt und den Dingen suggeriert uns, daß zwischen Welt und Bewußtsein eine Art Wiederspiegelungsverhältnis besteht. Wir gehen selbstverständlich davon aus, daß die reale Beschaffenheit der Welt als solche vom Organismus erkannt werden kann (Unmittelbarkeit des Weltbezuges). Dies setzt jedoch eine direkte Kopplung zwischen Erkennendem und Erkanntem voraus. Die Nichtnormative Ästhetik bestreitet dieses unmittelbare Verknüpfungsverhältnis unter Berufung auf neurophysiologische Erkenntnisse (vgl. R. W. Sperry, H. G. Roth, Detlev B. Linke, Olaf Breidbach, et. al.), naturalistische Epistemologien (Konstruktivismus, Kybernetik), aber auch auf klassische Philosophen wie Kant oder W. von Humboldt. Zwischen Erkennendem und Erkanntem liegt eine ebenso unüberwindbare Differenz vor, wie zwischen Denken und Sprechen, Zeichen und Bezeichnetem. Erkennen ist kein passives Rezipieren, sondern ein aktives Tun, eine überlebensdienliche Konstruktion des Gehirns (vgl. Radikaler Konstruktivismus). Die Dimension des Ästhetischen begründet sich durch den Hinweis auf die Unmöglichkeit einer identischen Übertragung im Sinne der Abbildtheorie.