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Ding

Heidegger wie Luhmann werfen der Philosophie und der Prädikationslogik unserer Sprache vor, Welt und Mensch mit dem Dingschema nicht angemessen begreifen zu können. Nach Luhmann sind Systeme keine Dinge und Dinge keine Sachen, denen Eigenschaften zugeschrieben werden können, sondern Unterschiede im Verhältnis von System und Umwelt. Luhmann kritisiert sozusagen die Systemvergessenheit (Soziale Systeme, S. 115), während Heidegger die Seinsvergessenheit thematisiert (Sein und Zeit). Beiden gemeinsam ist, dass sie die Zeit als wesentlichen Parameter des Daseins und der systemischen Evolution begreifen.

Nach Heidegger hat die Philosophie seit Platon das Dasein der Menschen nach der Seinsart der Dinge zu bestimmen gesucht, nach Art des Vorkommens und Vorhandenseins. Das Wesen des Menschen und der Dinge kann aber nicht verstanden werden als Substanz mit Eigenschaften. 

Die Dinge wurden von ihrem primären Seinsverständnis abgelöst, indem sie auf ihr Vorhandensein reduziert wurden. Wichtig ist aber, die Dinge auf ihre Funktion hin zu untersuchen und die Frage zustellen, wozu ein Ding taugt.

"Das Dinghafte des Dinges beruht jedoch weder darin, dass es vorgestellter Gegenstand ist, noch läßt es sich sich überhaupt von der Gegenständlichkeit des Gegenstandes aus bestimmen...Das Dinghafte des Gefäßes beruht keineswegs im Stoff, daraus es besteht, sondern in der Leere die faßt."1

Der Mensch ist in der Zeit, er vollzieht intentionale Akte. Der Mensch hat immer gefragt nach dem höchsten Seienden, nach Gott. Dabei hat er vergessen, die Frage nach dem Sein überhaupt zu stellen. 

Was ist das Sein? Quellgrund alles Seienden, aber kein Ding. Keine Sache. Kein hypokeimenon. Es hat nicht den Charakter eines möglichen Seienden, (S. 6) Es ist das Leerste, Allgemeinste und Selbstverständlichste und deshalb von der Philosophie übersehen worden. Übersehen wurde der Unterschied zwischen allem Seienden und dem Sein selbst: die ontologische Differenz.

Um das Sein zu verstehen, kann der Mensch sein eigenes Dasein untersuchen. Dazu bedient er sich der phänomenologischen Methode (Heidegger, Sein und Zeit,S. 27)

Fußnoten:

1 Reinhard Mey: Ex Oriente Lux; Heideggers Werk unter ostasiatischem Einfluss, S. 47

Literatur:

Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen 1977

Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Grundriß einer allgemeinen Theorie, Ffm. 1987