Ästhetisierte Gesellschaft
Wir leben in einer Gesellschaft, die kein außen kennt und die gezwungen ist, sich mit eigenen Mitteln (vgl. Kommunikation) über sich selbst Rechenschaft abzulegen. Zu diesem Zweck schafft sie sich mediale Folien, die die Faktizität der Ereignisse mittels eigener Unterscheidung duplizieren und das Ergebnis dieser Differenz von Faktizität und Beobachtung als Faktizität präsentieren. Diese autologische Kopplungsdynamik führt zum kontinuierlichen Anwachsen des gesamtgesellschaftlichen Datenvolumens bei gleichzeitigem Abbau von Wahrheitswerten, Moralitätsprinzipien, Verantwortlichkeiten und last but not least, konkreter individueller Informiertheit. Die Dinge unserer Alltags- und Erfahrungswelt verflüchtigen sich, sie lösen sich auf in Kommunikation, sie werden medialisiert. Die Sachen sind nicht die Sachen selbst, wir gehen mit Bildern und Vorstellungen von Objekten und Phänomenen um.
Der Gestalter der Jetztzeit muß sich dieser Dimension einer realen Virtualität stellen. Er muß die Probleme fortschreitender Differenzierung und Virtualisierung sichtbar machen und den Versuch unternehmen, einer entfesselten kulturellen Differenzierungsdynamik mittels dosierter Positionierung wort- und bildsprachlicher Argumente zu begegnen. Er muss die losen Enden wildgewordener Zeichenketten neu verknüpfen, sie positionieren, kontextuieren und mit Bedeutung versehen.