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Entropie

Der Begriff der Entropie bezeichnet als 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Wärmelehre) den Betrag der Unordnung in einer geschlossenen Schemagruppe (geschlossenes System). Die Unordnung innerhalb des Universums nimmt nicht ab, im Gegenteil, sie tendiert zum Maximum. Grade möglicher Ordnung im gesamten Weltall verringern sich. Die freien Energien in der Welt nehmen ständig ab. Die Folge ist ein ständiger Abbau von Temperaturunterschieden. Nur aus Temperaturunterschieden (Wärme) läßt sich jedoch Energie gewinnen. Frei verfügbare Energie wird immer geringer.

Der Entropiesatz läßt sich generalisieren, da heute erkannt wird, daß nahezu alle Konflikte und Probleme der modernen Welt ihr Entstehungsmoment in der Beanspruchung und dem Gebrauch von Ressourcen haben, deren Bestand sich stets verringert und die dementsprechend nicht jedem gleichermaßen zur Verfügung stehen. Die Anzahl derer, die eine Position besetzen ( eine Ressource nutzen) wollen, ist stets höher, als die Anzahl der vorhandenen Positionen. Es ist völlig gleichgültig, worauf man dieses Problem bezieht. Ob Rohstoffverknappung, Konsumgüterverteilung, Arbeitsmarktentwicklung, medizinische Versorgung, Altersversorgung, Bevölkerungsentwicklung, Sendehäufigkeiten, Wohnungsmarktentwicklung, das Problem ist überall das selbe. Deshalb ist innerhalb menschlicher Gemeinschaften der Umgang mit Knappheit ein vordringliches Problem.

Die Organisation von Gesellschaften folgt bis zum heutigen Tag theoretischen Überlegungen, die in Zeiten entstanden sind, in der die Entropieproblematik in ihrer umfassenden Bedeutung noch nicht erkannt war. Heute hat nicht nur die Idee des Sozialismus ausgedient. Auch die liberalistische Idee der Beteiligung aller zum Wohle aller, die Idee der freien Märkte, spottet der Realität Hohn. Die prinzipielle Zusammenführbarkeit widerstreitender Interessen in Allgemeinwillen wird heute nur noch unter unglaublichem Energieaufwand erreicht. Je höher der Aufwand zur Herstellung eines Konsenses aber betrieben wird, umso mehr dissensisch- entropische Prozesse werden durch ihn selbst aktiviert. Der zwanghafte Versuch, Frieden zu stiften, erzeugt selbst Krieg. Das überzogene Harmoniebedürfnis erzeugt selbst Disharmonie.

Der Einblick in die grundsätzlich entropische Struktur der Realität erfordert ein radikales Umdenken. Es kann nicht mehr darum gehen, soziale Utopien mit paradiesischen Konnotationen verwirklichen zu wollen, sondern vielmehr um aktive Schadensbegrenzung. Der weltweite kulturelle und interkulturelle Streit um Ressourcen ist längerfristig nicht zu vermeiden. Es ist zwar möglich, Inseln der Ordnung im Meer der Unordnung zu errichten (Ghettoisierung), aber diese Ordnung kann nicht von Dauer sein. Wir müssen auf Dauer mit dem Trend zur fortschreitenden Unordnung leben.

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