Umwelt
Umwelt ist systemtheoretisch betrachtet nicht nur bedingender, sondern konstitutiver Faktor der Systembildung. Systeme haben nur Sinn durch Abgrenzung von einer nicht dazugehörigen Umwelt. Systeme bilden sich durch Selektivität aus einer Umwelt heraus, von der sie sich unterscheiden. Dementsprechend kann es isolierte Systeme nicht geben.
Umwelt muß differenztheoretisch als Unordnung, als reine Kontingenz interpretiert werden. Komplex kann demnach nicht die Umwelt sein, sondern lediglich Systeme in der Umwelt von Systemen!! (Haferkamp, S. 261) Auch im Konstruktivismus gilt, daß Lebende Systeme durch Umwelt-Perturbationen deformiert werden, aber nicht modelliert oder gesteuert werden können. (Schmidt, S. 23)
Desweiteren ist die Umwelt-Dimension relevant für die Konfiguration der skulpturalen Methode (vgl. Skulpturale Methode), aber auch für das Verständnis der künstlichen Intelligenz. Die KI-Algorithmen verfügen jenseits des Geschlossenheitsmoments ihrer eigenen Programmierung nur sehr begrenzt über Umweltsensoren. Ihre Voraussagen basieren auf scharfen Selektivitäten verfügbarer und bekannter Bestände, aber nicht auf komplexen Repräsentationen relevanter Umwelten. Sie unterschreiten somit drastisch die komplexe Verwobenheit von lebenden und sinnorientierten Systemen. (vgl. Leben, Sinn)
Literatur:
Willke, H.: Systemtheorie, Eine Einführung in die Grundprobleme, Sttgt.
Haferkamp, Hans/Schmid, Michael: Sinn, Kommunikation und soziale Differenzierung, Beiträge zu Luhmanns Theorie sozialer Systeme, Ffm. 1987
Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus, Ffm. 1987