Re-entry
Unter Re-entry verstehen wir gem. der Logik der selbstreferentiellen Systeme (vgl. Selbstreferenz) das Wiedereintreten einer Unterscheidung in das durch sie unterschiedene. Ein System verknüpft sich mit einer Umwelt, in dem es den Unterschied zwischen System und Umwelt im System als Ereignis handhabt. Dementsprechend arbeitet das System nicht ausserhalb seiner Grenzen, kann aber die Umwelt intern als das Andere seiner selbst mitbehandeln.
Diese wichtige Position im Logikkalkül des George Spencer Brown ermöglicht das voraussetzungslose Anfangen (einer Theorie, eines Kunstwerks, einer beliebigen Tätigkeit) ohne die jeweiligen Voraussetzungen für dieses Anfangen begründen zu müssen. Würde man immer die Voraussetzungen prüfen, um anzufangen, würde man schnell erkennen, daß alle Voraussetzungen wiederum auf Voraussetzungen beruhen, ad infinitum.
Also ist der Anfang ein Moment einer Unterscheidung, die sich selbst mitreflektieren sollte, aber nicht kann. (vgl. Form) Erst in der Folge zeitlicher Operationen kann das Ausserhalb der Unterscheidung mitthematisiert werden. So ermöglicht die Figur des Re-entry die logische Beschreibung eines nicht axiomatischen, selbstbezüglichen Vorgehens.
Literatur:
• George Spencer Brown: Gesetze der Form, Bohmeier Verlag, Lübeck 1997
• Dirk Baecker (Hg.): Kalkül der Form, Ffm. 1993
• Dirk Baecker (Hg.): Probleme der Form, Ffm. 1993
• Felix Lau: Die Form der Paradoxie, Heidelberg 2005