Medium/Form
Luhmann versucht mit der auf Fritz Heider zurückgehenden Unterscheidung alte Materie/Form, Geist/Materie, bzw. Form/Inhalt-Schemata aufzulösen.1 An die Stelle des ontologisch gedachten Unbestimmten im Verhältnis zum Bestimmten, setzt er die Dimension unterschiedlich gekoppelter Elementemengen. So ist Medium jeweils eine lose gekoppelte Menge, in die sich festverknüpfte Formen einschreiben. Luft als Medium für Geräusche, Geld als Medium für Zahlungen, bis hin zu Tod, Natur oder Gesellschaft als Medium der Kunst2. Gerade letzteres Beispiel zeigt, daß Formen wiederum selbst Medien für andere Formen sein können. Die Kunst kann sich also als Form ihre jeweiligen Medien schaffen. Mit diesem Analyseinstrument besteht nach Luhmann eine optimierte Möglichkeit, die Universalisierungstendenz und Differenzierungsdimension unterschiedlicher Systemtypen auszuleuchten.
Medium ist also kein Gegenbegriff zu Form, sondern eher ein Ergänzungsbegriff.3 Ohne Medium ist Form quasi nicht denkbar. Diesen Gedanken weiter ins Abstrakte treibend kommt man zur Erkenntnis, dass der weitläufigste mediale Kontext der leere Raum, das Prinzip der Leere selbst ist.
Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine nackte Bühne nennen. ein Mann geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht; das ist alles, was zur Theaterhandlung notwendig ist.“
(Peter Brook)
Fussnoten
- Heider, Fritz: Ding und Medium, Symposion 1 (1926)
- siehe hierzu Niklas Luhmann: Das Medium der Kunst, in: Delfin VII, H.1, Dezember 1986 und das auf diesen Artikel bezogene Interview mit Georg Stanitzek: Schwierigkeiten mit dem Aufhören in; Luhmann, Niklas: Archimedes und wir, Berlin 1987, hrsg. von Dirk Baecker und Georg Stanitzek, S. 74 ff.
^3. Felix Lau: Die Form der Paradoxie, Heidelberg 2005, S. 55