Barbar
Nach Vorstellung der alten Griechen wurde der Barbar durch die Figur des Fremden verkörpert. Fremd war derjenige, der nicht der eigenen polis angehörte. Nach römischen Vorstellungen mangelte es allen Nichtrömern an Kultur und Bildung. Fremdheit war gleichbedeutend mit Unkultiviertheit. Auch heute noch versteht man unter dem Begriff des Barbaren einen ungesitteten, kultur- und zivilisationslosen Menschen, dessen Handlungen den herkömmlichen Vorstellungen von Bildung und Sozialverhalten zuwiderlaufen. Dabei ist auffällig, daß es sich bei der Zuschreibung "Barbar" immer um eine Fremdbeschreibung handelt. Barbaren sind immer die anderen, nie wir selbst. Betrachtet man allerdings gesellschaftliche Probleme wie Umweltverschmutzung, Rüstungsexporte, Massentourismus, Fastfood-Ketten, Medienentwicklung, Flüchtlingsproblematik, etc. in ihrer Ursache-Wirkungsgeschichte, so wird deutlich, daß wir selbstinduzierten Problemkonstellationen und Gefahren unterliegen. Die nichtnormative Ästhetik empfiehlt dementsprechend, sich selbst als Barbaren zu begreifen (siehe Täterblick).