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Normen

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<p>Da es unmöglich ist, sich unmittelbar auf die Erwartensstruktur eines Anderen einzustellen (vgl. <a href="brain://OdWezMA4WVCDmOeErrsWIg/DoppelteKontingenz" class="thought-link">Doppelte Kontingenz</a>) ensteht zur Abfederung einer sich zwangsläufig einstellenden Enttäuschungslast ein Set von objektiv fixierten Erwartensstrukturen, die mehr oder weniger sicherstellen, daß das zu Erwartende auch erwartet werden kann. Alter und Ego gehen also nicht direkt auf die Erwartungsstrukturen des anderen ein, sondern beide erkennen objektiv gültige Erwartungen, sog. Normen, an. Normen werden als objektiv geltend stabilisiert und fungieren als Entlastung von Erwartungen. In dem Maße, indem der andere diese Erwartungen selber anerkennt, kann ich mit ihm interagieren.<sup>1</sup>

"Normativität ist in der Sinnhaftigkeit menschlichen Erlebens angelegt,...sie wird durch <a href="brain://N2GGaXf1NFGd8nDG3uOfDQ/Sinn" class="thought-link">Sinn</a> erst ermöglicht. ...Normen sind...kontrafaktisch stabilisierte Erwartungen, die sowohl auf der Ebene der Verhaltenserwartung, als auch auf der Ebene der Erwartungserwartung gegen die symbolischen, diskreditierenden Implikationen eines Enttäuschungsfalles abgesichert sind."<sup>2</sup>

Normenbildung vollzieht sich also quasi automatisch mit der Bildung sozialer Systeme. Die Systemtheorie wendet sich folglich zurecht gegen Theorieentwürfe, die nicht nach der spezifischen Funktion von Normen fragen, die Normen, um Ordnung zu erklären, voraussetzen müssen.<sup>3&#160;</sup>

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<b>Fußnoten</b>

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  1. Niklas Luhmann: Soziale Systeme, Grundriß einer allgemeinen Theorie, Ffm 1987, S. 65, 66. Zum Unterschied von lernunwilligen Erwartungen (Normen: orientiert an der Differenz von konformem und abweichendem Verhalten) und lernbereiten Erwartungen (Kognitionen: orientiert an der Differenz von Wissen und Nichtwissen) siehe Niklas Luhmann: Soziale Systeme, a.a.O., S. 436 ff.
  2. das Normenschema entspricht als binärer Schematismus grundsätzlich dem Verfahren der Reduktion von Komplexität. Es rekurriert, so gefasst, weder auf eine "legitime Ordnung der Lebenswelt", noch auf irgendeine Art von Natur oder Letztbegründung. Vgl. Niklas Luhmann: Soziale Systeme, a.a.O., S. 312 f.
  3. siehe dementsprechend die Luhmannsche Kritik an Parsons, in: Soziale Systeme, a.a.O., S. 13 ff und S. 444 ff.</p>

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